Bereitstellungszinsen bei Darlehen

Bereitstellungszinsen können anfallen, wenn zwischen der Auszahlungsreife und dem Abruf des Darlehens durch den Kreditnehmer ein längerer Zeitraum liegt.

Man unterscheidet zwei Arten: Anrechenbare und nicht anrechenbare Bereitstellungszinsen. Sieht der Darlehensvertrag anrechenbare Bereitstellungszinsen vor, ist Grundlage der Berechnung nur der nicht in Anspruch genommene Darlehensbetrag.

Im anderen Fall werden Bereitstellungszinsen ohne Rücksicht auf die Inanspruchnahme immer auf den gesamten Kreditbetrag erhoben.

Bereitstellungszinsen vornehmlich bei Baufinanzierungen

Ein Hauptanwendungsfall für Bereitstellungszinsen sind Immobilienfinanzierungen und hier in erster Linie Baufinanzierungen sowie Finanzierungen von Ausbau- und Modernisierungsmaßnahmen.

Baumaßnahmen werden in der Regel nach Baufortschritt bezahlt, so dass zwischen der Auszahlungsreife des Darlehens und dem tatsächlichen Abruf von Darlehensteilen größere Zeiträume liegen können.

Zinshöhe und Karenzzeiten

Höhe und Karenzzeit sind bei Bereitstellungszinsen für Darlehen von Bank zu Bank recht unterschiedlich. Der Zinssatz beträgt aber in der Regel 0,25 % im Monat oder 3 % jährlich.

Die Karenzzeit beträgt meistens zwischen 4 und 12 Monaten. Sehr üblich sind 4 Monate. Das ist auch die Karenzzeit, die die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ihren Kunden gewährt.

Nichtabnahmeentschädigungen

Von Bereitstellungszinsen für Darlehen zu unterscheiden sind so genannte Nichtabnahmeentschädigungen. Sie fallen an, wenn ein Teil des Kreditbetrages dauerhaft nicht mehr benötigt und deshalb eine Reduzierung der Darlehenssumme vereinbart wird.

Die Nichtabnahmeentschädigung wird entweder mit einem Prozentsatz von der zurückgegebenen Darlehenssumme oder wie eine Vorfälligkeitsentschädigung berechnet.

Bereitstellungszinsen können Baufinanzierungen spürbar verteuern.

Bei langfristigen Darlehen über größere Beträge wird häufig der Effekt unterschätzt, den schon geringe Zinsdifferenzen bewirken können. Das gilt auch, wenn Bereitstellungszinsen im Spiel sind.

Müssen diese Zinsen, wie sehr häufig, ihrerseits fremdfinanziert werden, kann das den Effektivzinssatz für einen Hauskredit oder Baukredit, je nach Laufzeit der Immobilienfinanzierung und Höhe des entstandenen Anspruchs für Bereitstellungszinsen, schnell um 10 – 30 Basispunkte erhöhen.

Bereitstellungszinsen nicht Teil der Effektivzinsen

Bereitstellungszinsen werden nicht in den bei Vertragsschluss angegebnen Effektivzinsen berücksichtigt. Sie werden deshalb auch nicht bei den üblichen Kreditvergleichen erfasst.

Darlehensnehmer sollten deshalb auf die Regeln der Bank für die Berechnung von Bereitstellungszinsen immer gesondert achten. Eine Karenzzeit von weniger als sechs Monaten kann häufig zum Problem werden.