Einheitszins: mehr Mogelpackung als verbraucherfreundlich

Besonders nach Inkrafttreten der Verbraucherschutzrichtlinie bei Krediten (PAngV) sind viele Kreditgeber dazu übergegangen, Ratenkredite zu bonitätsunabhängigen Einheitszinsen anzubieten.

Aus Sicht der Banken wird das Kreditangebot dadurch übersichtlicher. Wegen des effektiven Einheitszinses ist das nach Paragraph 6 PAngV erforderliche repräsentative Beispiel einfach darstellbar.

Weil alle Kreditnehmer dieselben Zinskonditionen erhalten, läuft die Verpflichtung zur Angabe der Konditionen, zu denen zwei Drittel der Kreditnehmer ein Darlehen erhalten, ins Leere.

Aber ist ein Einheitszins tatsächlich verbraucherfreundlich? Die Kreditanbieter dieser Darlehensform berufen sich darauf, und auch manche Verbraucherschützer glauben das.

Der angebotene effektive Einheitszins scheint im Vergleich zu bonitätsabhängigen Zinsen transparent und günstig. Außerdem ist ein Vergleich mit anderen Kreditangeboten scheinbar einfach mit Kreditrechnern möglich.

Alle diese immer wieder beschworenen Vorteile können in gewissem Umfang zutreffen – im Einzelfall und für einen bestimmten, eng umgrenzten Kundenkreis.

 

Was ist ein bonitätsunabhängiger Kreditzins?

 

Einheitszins bedeutet, dass alle Kreditnehmer Ratenkredite zu denselben Zinskonditionen erhalten, sofern ihre Bonität bestimmten Mindestanforderungen genügt und die übrigen Darlehensbedingungen wie Darlehensbetrag und Laufzeit gleich sind.

Einheitszins bedeutet also keineswegs, dass Kredite zum beworbenen Zinssatz in jedem Fall unabhängig von der jeweiligen Bonität vergeben werden. Wie bei bonitätsabhängigen Darlehen auch wird die Kreditwürdigkeit in jedem Einzelfall anhand von Unterlagen und SCHUFA-Auskünften geprüft.

Dabei wird festgestellt, ob die Antragsteller die Kriterien für die so genannte Grenzbonität erreichen. Nur Kreditkunden, die die von der Bank vorgegebenen Kriterien für die Grenzbonität erfüllen oder eine bessere Bonität aufweisen, erhalten ein Darlehen zum angegebenen Einheitszinssatz.

Eine Mischkalkulation beim Kreditausfallrisiko, von der alle Antragsteller unabhängig von der Bonität profitieren könnten, findet also entgegen der Auffassung mancher nicht statt.

 

Einheitszins meistens ungerecht

 

Zur Ermittlung des bonitätsunabhängigen Einheitszinses kalkuliert die Bank die Kreditausfallwahrscheinlichkeit für eine abstrakte Fallgruppe mit einer bestimmten so genannten Grenzbonität.

Der bonitätsunabhängige Zinssatz ist hoch genug, um das Risiko dieser Gruppe abzudecken. Im Einzelnen bedeutet dies:

Kreditkunden, die die Merkmale der Grenzbonität genau erfüllen, erhalten einen im Verhältnis zum Kreditausfallrisiko angemessenen Darlehenszins.

Hingegen werden Kunden, deren Bonität besser als die von der Bank vorgegebene Grenzbonität ist, benachteiligt. Bei einem bonitätsabhängigen Darlehen bestünde für diese Kundengruppe die Möglichkeit besserer Kreditbedingungen.

Wird die Grenzbonität nicht erreicht, erhält der Kreditsuchende überhaupt keinen Kredit. Je nach den von der jeweiligen Bank festgelegten Maßstäben kann diese Gruppe recht groß sein. Manche Banken gewähren Kredite mit Einheitszinsen nur an Kunden mit sehr guter Bonität und geringem Ausfallrisiko.

Bei bonitätsabhängigen Darlehen hätte er hingegen durchaus eine Chance auf eine Kreditvergabe, wenn auch zu Bedingungen, die dem höheren Kreditausfallrisiko Rechnung tragen.

 

Bonitätsunabhängiger Einheitszins besser vergleichbar?

 

Kredite mit Einheitszins sollen besser vergleichbar und deshalb transparenter sein. Das wäre der Fall, wenn alle Banken an die Grenzbonität die gleichen Maßstäbe anlegen würden.

Doch das ist natürlich lebensfremd. Vielmehr kalkulieren die Banken die Grenzbonität und damit auch die Höhe des angebotenen bonitätsunabhängigen Einheitszinses unterschiedlich. Wie die Kalkulation im Einzelnen geschieht, wird keine Bank offenlegen. Deshalb unterscheidet sich die Transparenz nicht sehr wesentlich von der bei bonitätsabhängigen Zinssätzen.

Der Kunde weiß nicht im Vorhinein, ob ihm alle am Vergleich beteiligten Geldinstitute ein Darlehen gewähren werden. So ist es möglich, dass eine Kreditanfrage bei den gleichen Einheitszinsen bei einer Bank erfolgreich ist, während das Darlehen von einer anderen Bank abgelehnt wird.

Letztlich lassen sich Darlehen mit bonitätsunabhängigen Einheitszinsen auch nur anhand von konkreten Anfragen aussagefähig vergleichen.

 

Einheitszins als Lockangebot

 

Einheitszinsen können theoretisch als Lockvogelzinsen genutzt werden. Damit würden sie gegen die mit der Verbraucherschutzrichtlinie rechtlich vorgeschriebene Transparenz verstoßen.

Wer bei der Ablehnung eines Darlehens mit Einheitszins ein Angebot zum Abschluss eines anderen Finanzierungsprodukts erhält, sollte darauf keinesfalls ungeprüft eingehen.

Das Ersatzangebot könnte einen höheren Zinssatz beinhalten als vergleichbare Angebote für bonitätsabhängige Kredite. Oder es wird doch noch der Einheitszinssatz in Aussicht gestellt, sofern zusätzliche Finanzprodukte, beispielsweise eine Restschuldversicherung, abgeschlossen werden.

Wer den Einheitszins als Lockvogelangebot missbraucht, setzt darauf, dass der Kunde aus Bequemlichkeit auf das Angebot eingeht und weitere Offerten nicht einholt.

 

Bonitätsabhängige Kredite eher transparenter

 

Bonitätsabhängige Kredite sind eigentlich gerechter, weil sie in jedem Einzelfall das konkrete Kreditausfallrisiko berücksichtigen. Vor allem Antragsteller mit besserer Bonität als die Grenzbonität profitieren. Denn sie zahlen nicht die auf der Grundlage der Grenzbonität festgelegten in ihrem Fall zu hohen Zinsen.

Stattdessen profitieren Kunden mit guter Bonität von Zinssätzen nahe dem beworbenen Eingangszinssatz, die in der Regel deutlich unter den anderswo angebotenen Einheitszinsen liegen.

Kunden mit durchschnittlicher oder schlechter Bonität haben bei bonitätsabhängigen Zinssätzen eine realistische Chance auf angemessene Kreditkonditionen, selbst wenn sie die Vorgaben für die Grenzbonität nicht erreichen.

Die Verbraucherschutzrichtlinie für Kredite ist nicht optimal, verhilft aber zu einem ersten Marktüberblick. Anhand des repräsentativen Beispiels erhalten Kreditsuchende einen realistischen Überblick über die vom Anbieter tatsächlich gewährten bonitätsabhängigen Zinssätze.

Auch hier gilt allerdings ebenso wie beim Einheitszins: aussagefähige Kreditvergleiche setzen immer konkrete Kreditanfragen voraus.