Geoscoring umstritten

Geoscoring ist ein statistisches Verfahren zur Ermittlung der Kreditwürdigkeit anhand von wohnortabhängigen Daten. Regelmäßig wird zusätzlich das Alter der betreffenden Person herangezogen. Liegen Angaben dazu nicht vor, wird es anhand des Vornamens geschätzt.

Wohnort bestimmt Zuverlässigkeit der Verbraucher?

Beim Geoscoring wird das Zahlungsverhalten des persönlichen Wohnumfelds analysiert. Eine Rolle spielen außerdem die Wohndauer und, wie bereits erwähnt, das Alter sowie Lage, Art und Zustand der Wohnungen in der Nachbarschaft und selbst Typ und Anzahl der Autos.

Zur Ermittlung des Scorewertes werden bestimmte Wohngebiete in möglichst kleine Einheiten unterteilt. Eine Einheit kann bisweilen nur aus fünf Haushalten bestehen. Schon die kleinste Verschlechterung der Bonität eines Nachbarn kann dann dazu führen, dass Verträge nicht oder nur zu schlechteren Bedingungen abgeschlossen werden können, selbst wenn der Betroffene zuverlässig und wirtschaftlich leistungsfähig ist.

Die persönliche Bonität der betreffenden Person wird nicht untersucht, sondern es wird von der Bonität der Nachbarn auf die Kreditwürdigkeit der Betroffenen geschlossen.

Anwendungsgebiete

Das Geoscoring hat unterschiedliche Anwendungsgebiete. So wird auf dieses Scoring Verfahren zurückgegriffen, wenn über die betreffende Person keine verwertbaren Daten zum Vertragsverhalten vorliegen.Das Geoscoringwird außerdem besonders von Onlineshops und Versandhändlern nachgefragt.

Bonitätsprüfungen anhand des Geoscoring-Verfahrens sind preisgünstig und häufig für unter 50 Cent zu haben. Versandhändler nutzen den wohnortabhängigen Scorewert aber nicht nur zur Feststellung der persönlichen Bonität einer bestimmten Person.

Sie passen damit auch ihre Bestellsysteme an. Beispielsweise werden bestimmten Kundenkreisen die Bezahlung per Rechnung oder die Möglichkeit der Ratenzahlung erst gar nicht angeboten sondern nur die Bezahlung per Vorkasse.

SCHUFA: Geoscoring nur auf ausdrücklichen Wunsch

Nicht jede Auskunftei verwendet Geoscoring im gleichen Maße. Beim Schufa Scoring spielt der Wohnort wohl eher eine untergeordnete Rolle. Nach eigener Auskunft bietet die Schufa Produkte unter Einbeziehung von Geodaten nur auf ausdrücklichen Wunsch der Vertragspartner an.

Der grundsätzliche Verzicht auf Geodaten beim Schufa Scoring ist möglich, weil die größte deutsche Auskunftei über riesige Datenbestände zu allen kreditrelevanten Faktoren verfügt, die einen Rückgriff auf das Geoscoring überflüssig machen.

Auch bei Bürgel, eine andere große Auskunftei mit Daten über 39 Mio Privatpersonen, spielt Geoscoring keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle. Bürgel wertet vornehmlich Schuldnerverzeichnisse, Insolvenzdaten und Handelsregister aus. Eine größere Rolle spielt das Geoscoring hingegen bei Arvato Infoscore und Creditreform.

Kritik der Datenschützer

Datenschützer üben am Geoscoring deutliche Kritik. Das Verfahren führt ihrer Meinung nach zu nicht vertretbaren Ergebnissen und zwingt Verbraucher faktisch, alle ihre persönlichen Daten preiszugeben, um falschen Schätzungen, etwa des Alters anhand eines Vornamens, entgegenzuwirken.

Tests hätten eine durchschnittliche Fehlerquote des Scorings im Allgemeinen und des Geoscorings im Besonderen von 30 % ergeben. Auskunfteien sprechen allerdings nur von einer Fehlerquote von 0,1 – 3 Prozent.

Schließlich sehen die Verbraucherschützer die Gefahr einer Ghettoisierung, wenn Einwohner bestimmter Wohngebiete aufgrund des Geoscorings pauschal als kreditunwürdig eingestuft werden.

Besonders kritisiert werden Arvato und Creditreform. Diese Auskunfteien sind mit Bertelsmann bzw. Microm verbunden. Darin wird eine erhöhte Gefahr des Datenmissbrauchs gesehen. Praktisch werden Bonitätsdatei und Informationen über das Kaufverhalten unter einem Dach gespeichert.

Geoscoring in begrenztem Umfang erlaubt.

Der Gesetzgeber hat das Geoscoring mit der Datenschutznovelle 2010 nicht grundsätzlich verboten. Es ist erlaubt, wenn es nicht die ausschließliche Grundlage zur Berechnung der persönlichen Kreditwürdigkeit bildet.

Ob das Gesetz insoweit von den Auskunfteien eingehalten wird, lässt sich jedoch nur schwer überprüfen. Denn die Wirtschaftsauskunfteien brauchen ihre Berechnungsmethode nicht vollständig preiszugeben. Ob und in wieweit Geoscoring herangezogen wird und wie die Daten gewichtet werden, bleibt deshalb letztlich deren Geheimnis.