Girokonto schufafrei?

Im Internet finden sich bisweilen Angebote für ein „Girokonto schufafrei“ oder ein „Girokonto ohne Schufa“.

Suggeriert werden soll damit, dass sogar in Deutschland ein Girokonto schufafrei möglich ist. Doch das ist ein Irrglaube. Allerdings sollte ein Girokonto trotz Schufa ohne weiteres eingerichtet werden können.

Kein schufafreies Girokonto in Deutschland

In Deutschland wird man kaum eine Bank finden, die ein Girokonto ohne Schufa-Auskunft einrichtet. Bei Banken im (außereuropäischen) Ausland ist dies natürlich möglich. Diese Banken bedienen sich nicht der Schufa zur Bonitätsprüfung.

Allerdings ist die Konteneinrichtung kompliziert und häufig auch teuer. In vielen Fällen muss das Konto persönlich bei der ausländischen Bank eingerichtet werden. Man muss also dorthin reisen.

Häufig wird bei ausländischen Banken ein vollwertiges Girokonto mit Einräumung eines Dispositionskredites und einer richtigen Kreditkarte nicht möglich sein.

Vorsicht bei Angeboten über ausländische Girokonten

Manche so genannte Finanzvermittler nutzen die Zwangslage von Menschen mit schlechter Schufa und evtl. auch schlechter Bonität aus und verkaufen beispielsweise Informationsmaterial über Banken, die ein Girokonto schufafrei gewähren.

Andere wiederum versprechen einfache und preisgünstige Kontoeröffnungen im Ausland außerhalb Europas. Hier ist große Vorsicht geboten. Allzu häufig bezahlt man für wertloses Material. Nochmals: Ein Girokonto ohne Schufa in Deutschland ist – soweit bekannt – nicht möglich.

Girokonto trotz SCHUFA & pfändungsfreies Konto

Kein Problem ist allerdings grundsätzlich ein Girokonto trotz Schufa, also wenn die von der Bank eingeholte Schufa-Auskunft negativ ausfällt.

Seit 1995 gibt es eine Selbstverpflichtung der deutschen Banken, jedem ein Girokonto zur Verfügung zu stellen. Es handelt sich um keine gesetzliche Regelung. Aus diesem Grunde halten sich nicht alle Banken an diese Vereinbarung.

Erst kürzlich (vor Verfassung dieses Beitrages am 9.12.2009) hat der Bankenverband dazu aufgerufen, Beschwerdeeinzulegen, wenn ein „Konto trotz Schufa“ verweigert oder ein Girokonto gekündigt wird.

Grundsätzlich steht also jedem ein Girokonto zu, „unabhängig von Art und Höhe der Einkünfte, z.B. Arbeitslosengeld, Sozialhilfe“ und auch unabhängig von Schufaeinträgen, es sei denn, die Kontoeinrichtung ist für die Bank unzumutbar:

  • Der Bankkunde macht bei Kontoeinrichtung falsche Angaben.
  • Der Bankkunde bricht Vereinbarungen.
  • Die Kontogebühren können nicht bezahlt werden.
  • Der Bankkunde belästigt oder gefährdet Mitarbeiter oder andere Kunden.
  • Das Konto wird für rechtswidrige Transaktionen, etwa zur Geldwäsche, verwendet.
  • Das Konto wird ein Jahr umsatzlos geführt, oder ist blockiert, z.B. durch Vollstreckungsmaßnahmen.

Wem ein Girokonto in anderen Fällen verweigert wird, der kann sich bei der ZKA beschweren.

Ein Girokonto trotz Schufa wird regelmäßig als Guthabenkonto ohne Kreditkarte und Dispokredit geführt. Da die Schufa eingeschaltet wird, besteht auch die Gefahr des Zugriffs durch Gläubiger.

Dem kann man in gewissem Umfang entgegenwirken. Denn seit einiger Zeit besteht die gesetzlich eingeräumte Möglichkeit, ein pfändungsfreies Konto einzurichten. Jede Bank muss ein solches Girokonto zur Verfügung stellen.

Ein Girokonto trotz Schufa eine realistische Chance für Menschen mit schlechter Bonität, am Wirtschaftsleben teilzunehmen und immer noch besser als die zumeist leere Versprechung, ein Girokonto schufafrei vermitteln zu können.