Kilometerleasing: bequem aber nicht ohne Tücken

Fast 30.000 Euro, so viel kosten in Deutschland Neuwagen im Durchschnitt. Die überwiegende Anzahl der Käufer wird den Kaufpreis nicht bar auf den Tisch legen können. Eine Finanzierung muss also her. Zwei unterschiedliche Varianten bieten sich an: Käufer können sich für eine Kreditfinanzierung mit oder ohne Schlussrate entscheiden. Immer beliebter wird aber die zweite Variante – ein Autoleasing-Vertrag.

Privatkunden bevorzugen sogenannte Kilometerverträge, die ganz überwiegend ohne Anzahlung angeboten werden, aber ebenso jedenfalls theoretisch mit Anzahlung möglich sind. Mit Kilometerverträgen können sowohl Neuwagen als auch Gebrauchtwagen finanziert werden. Kilometerleasing erscheint jedenfalls auf den ersten Blick extrem günstig.

Mit etwas Pech kann jedoch daraus am Ende doch noch ein weniger gutes Geschäft für den Käufer werden. Dieser Artikel erklärt, worauf Leasingnehmer beim Abschluss eines Kilometervertrages besonders achten sollten, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Was ist ein Kilometervertrag?

Kilometerleasing ist eine speziell für das Fahrzeugleasing entwickelte Vertragsform. Kilometerverträge ähneln langfristigen Mietverträgen. Es gibt aber einige Besonderheiten, beispielsweise bei der Gewährleistung. Wesentliche Vertragsmerkmale sind Vereinbarungen über

  • den Leasinggegenstand und die vorgesehene Nutzung,
  • eine bestimmte Laufzeit,
  • eine bestimmte Kilometerleistung,
  • die zu zahlenden Leasingraten,
  • Rückgabemodalitäten bei Vertragsschluss,
  • den Ausschluss mietvertraglicher Gewährleistungsregeln,
  • Regeln zum Abschluss von Versicherungen,
  • Kündigungsmöglichkeiten für beide Vertragsparteien.

Üblich sind Laufzeiten zwischen 24 und 60 Monaten. Die Kilometerleistung kann individuell vereinbart werden. Leasingnehmer sollten versuchen, relativ genau einzuschätzen, wie hoch die jährliche Fahrleistung voraussichtlich sein wird.

Die Höhe der monatlichen Leasingraten richtet sich nach der Laufzeit und natürlich nach dem ausgewählten Fahrzeugmodell. Die Leasingrate setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen. Dazu zählen ein Ausgleich für den bei vertragsgemäßem Gebrauch zu erwartenden Wertverlust, ein Kostenanteil, Refinanzierungskosten beim Leasinggeber und ein Gewinnanteil.

Bei neuen Autos ist der Wertverlust in den ersten beiden Jahren am höchsten. Wer sich für einen kurzfristigen Kilometervertrag entscheidet, muss deshalb mit etwas höheren Leasingraten rechnen.

Bei den Rückgabemodalitäten geht es in erster Linie um die Frage der Feststellung von Schäden und des Restwerts. Der Restwert ist derjenige Wert, den das Fahrzeug am Ende der Vertragslaufzeit unter Berücksichtigung der vertragsgemäßen Nutzung voraussichtlich noch haben wird.

Die Regeln über Kündigungsmöglichkeiten gehen oft zulasten des Leasingnehmers. Beispielsweise hat der Leasinggeber ein Kündigungsrecht bei Zahlungsverzug oder wenn der Leasingnehmer seinen deutschen Wohnsitz aufgibt. Der Leasingnehmer hat im Falle einer rechtmäßigen Kündigung durch den Leasinggeber regelmäßig seine Zahlungsverpflichtungen aus dem Leasingvertrag (Zahlung der abgezinsten Leasingraten) zu erfüllen.

Leasingnehmer und Leasinggeber stehen regelmäßig ein Kündigungsrecht zu, wenn das Fahrzeug völlig zerstört wird oder die Reparaturkosten einem bestimmten Prozentsatz des Zeitwertes übersteigen. Weitergehende Kündigungsrechte für den Leasingnehmer, etwa bei Änderung seiner persönlichen oder wirtschaftlichen Verhältnisse, werden häufig nicht eingeräumt.

Auf der Webseite Standardverträge.de finden Interessierte ein Muster für einen Kfz-Leasingvertrag. Weitere Hinweise zu gängigen Vertragsbestimmungen findet man bei Google unter dem Suchbegriff „Kilometer Leasing Mustervertrag“.

Fallstricke vermeiden – Tipps zum Kilometerleasing

Leasingverträge und somit auch Verträge über das Kilometerleasing verfügen über eine relativ lange Laufzeit. Während der Laufzeit kann viel Unvorhergesehenes passieren. Das gilt nicht nur für Unfälle mit dem geleasten Fahrzeug, sondern auch für eine Veränderung der Nutzungsweise oder für eine Veränderung der persönlichen Verhältnisse beim Leasingnehmer.

Zudem können manche Vertragsregelungen recht trickreich sein. Die erste Empfehlung, vor allem gerichtet an Personen, die zum ersten Mal einen Leasingvertrag abschließen, lautet: Informieren Sie sich über mögliche Vertragsregelungen anhand der oben aufgeführten Musterverträge.

Angebote vergleichen

Der Leasingsmarkt im Bereich der sehr populären Kilometerverträge ist heiß umkämpft. Eine Vielzahl von Anbietern tummelt sich auf diesem Markt: Hersteller, Banken und spezielle Finanzdienstleister. Es empfiehlt sich deshalb nicht, dass Angebot eines bestimmten Händlers ohne Vergleich anzunehmen. Besonders Onlineangebote können günstig sein. Sixt und Leasingmarkt sind Beispiele.

Manchmal werden Leasingverträge für sogenannte „EU-Fahrzeuge“ angeboten. Wer Wert auf die volle Händlergarantie legt, sollte von solchen Angeboten Abstand nehmen und sich auf Leasingangebote für Fahrzeuge inländischer Händler konzentrieren.

Achtung: irreführende Mogelpackungen

Schauen Sie sich den Leasingvertrag genau an. Manchmal sollen Anbieter verschleiern, dass es sich in Wirklichkeit um einen Restwertvertrag und nicht um einen Kilometervertrag handelt. Werden sie skeptisch, wenn davon die Rede ist, dass das Fahrzeug bei Vertragsende zum Kauf angeboten werden kann.

Gleiches gilt, wenn von Mehrerlösbeteiligung die Rede ist. Der Leasinggeber nimmt das Fahrzeug am Ende der Laufzeit zurück, um es an einen Dritten zu veräußern. Ist der Kaufpreis höher als der veranschlagte Restwert, erhält der Leasingnehmer einen Anteil am Ertrag. Im umgekehrten Fall jedoch muss der Kunde die Differenz zwischen vereinbartem Restwert und tatsächlich erzielten Kaufpreis erstatten. Letztlich liegt das Risiko der Verwertung beim Leasingnehmer.

Was beinhaltet die Leasingrate?

Manchmal erscheinen Leasingraten besonders günstig. Niedrige Leasingraten müssen aber nicht unbedingt bedeuten, dass der Kilometervertrag besonders billig ist. Die Frage ist, was die Leasingraten tatsächlich beinhalten.

Es kann sich um die reine Nettorate handeln. Überführungskosten, Abschlusskosten und Kosten für Versicherungen müssen dann zusätzlich entrichtet werden. Möglich ist aber ebenso, dass alle oder ein Teil dieser Kosten in die monatliche Leasingrate eingerechnet werden. Achten Sie also beim Abschluss darauf, welche Kosten sie neben der regulären Leasingraten noch zu tragen haben.

Vereinbarungen zur Kilometerleistung

Modell eines exklusiven roten Autos auf Geldscheinen
Fallstricke beim Kilometerleasing

Kaum ein Leasingnehmer wird genau einschätzen können, wie viel Kilometer er mit dem geleasten Fahrzeug tatsächlich zurücklegt. Punktlandungen dürften so häufig wie Lottogewinne sein. Bei Vereinbarungen über die Kilometerleistung sind drei Faktoren wichtig:

Kundenfreundliche Verträge sehen eine Marge vor, innerhalb der sich der Leasingnehmer bewegen kann. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer Freigrenze. Nur wenn diese Grenze überschritten wird, können Ansprüche entstehen.

Einige Leasingverträge sehen Erstattungen für Zusatzkilometer vor. Benötigt der Leasingnehmer aber weniger Kilometer, erhält er nichts zurück. Verbraucherfreundlich sind Verträge die auch einen Ausgleich für weniger Kilometer vorsehen. Der Preis für den Kilometerausgleich richtet sich nach der Fahrzeugklasse und beträgt marktüblich zwischen fünf Cent und 15 Cent.

Im Interesse des Leasingnehmers ist eine Vertragsklausel, nach der die Kilometerleistung geändert werden kann, wenn sich Abweichungen von der ursprünglichen Annahme herausstellen.

Rückgabe und Restwert

Die meisten Streitpunkte entstehen wahrscheinlich bei der Rückgabe des Fahrzeuges. Immer geht es um die Wertminderung und den Restwert. Die Frage ist, ob der Händler oder der eingeschaltete Sachverständige Gebrauchsspuren oder kleine Mängel feststellen, die deren Meinung nach über die reine Wertminderung durch vertragsgemäße Nutzung hinausgehen.

Einige Händler neigen dazu, eine übervertragliche Wertminderung zu konstruieren. Ein Grund kann sein, dass aus Konkurrenzgründen der Wertminderungsanteil an der Leasingrate zu gering kalkuliert wurde.

Leasingnehmer sollten versuchen, die Restwertfeststellung zu objektivieren, indem die Bewertungsmaßstäbe beispielsweise des Verbandes markenunabhängiger Fuhrparkmanagement Unternehmen Vertragsgegenstand werden. Kundenfreundlich sind darüber hinaus Klauseln, nach denen bei Vorliegen von Mängeln nicht die Reparaturkosten zu ersetzen sind, sondern lediglich die rechnerische Wertminderung.

Vorzeitige Vertragsauflösung und Leasingsübernahmen

Die wirtschaftlichen Verhältnisse und die persönlichen Verhältnisse eines Leasingnehmers können sich während der Vertragslaufzeit grundlegend ändern. Die Folge kann sein, dass das ursprünglich geleaste Fahrzeug nicht mehr zu den neuen Bedürfnissen passt.

Optimal ist natürlich, wenn im Leasingvertrag für solche Fälle eine Kündigungsmöglichkeit für den Leasingnehmer vorgesehen ist. Häufig wird dies jedoch nicht der Fall sein.

In diesen Fällen kommt eine sogenannte Leasingsübernahme in Betracht. Voraussetzung ist natürlich, dass eine solche Übernahme im Leasingvertrag nicht ausgeschlossen wird. Ein vertraglicher Ausschluss ist eher selten. Möglich ist aber, dass der Leasinggeber für den Wechsel seines Vertragspartners Gebühren verlangt.

Leasingübernahme bedeutet, dass der ursprüngliche Leasingnehmer aus dem Vertrag mit dem Leasinggeber ausscheidet und stattdessen ein anderer Leasingnehmer in den Vertrag eintritt. Neben der Zustimmung des Leasinggebers ist eine vertragliche Vereinbarung (schriftlich) zwischen dem neuen und dem alten Leasingnehmer erforderlich.

Diese Vereinbarung sollte beinhalten, wer die mit der Vertragsübernahme im Zusammenhang stehenden Kosten übernimmt. Neben möglichen Gebühren für die Leasinggesellschaft können beispielsweise Kosten für die Überstellung des Fahrzeuges und für die Umschreibung entstehen.

Wie aber kommen die Vertragsparteien zueinander? Der einfachste Weg ist über das Internet. Es gibt eine Reihe von Vertragsbörsen, über die Leasingübernahmen abgewickelt werden können. Beispiele sind Leasing.de, Leasingsmarkt.de oder Leasingtime.de.

Vertragsübernahmen bieten nicht nur für den ursprünglichen Leasingnehmer, sondern darüber hinaus für den neuen Leasingnehmer Vorteile. Der neue Leasingnehmer profitiert eventuell von geringeren Anforderungen bei der Bonitätsprüfung. Zudem muss er über die Leasingraten nicht mehr die erhöhte Wertminderung bei Neufahrzeugen in der Anfangszeit der Nutzung finanzieren.

Kilometerleasing sinnvoll?

Kurze Laufzeiten beim Kilometerleasing haben Vorteile. Leasingnehmer können das Fahrzeug zum Beispiel nach zwei Jahren auswechseln gegen ein anderes Fahrzeug mit den neuesten technischen Standards. Leasingverträge über Gebrauchtfahrzeuge sind möglicherweise günstiger als Ratenkäufe.

Sieht man einmal von Sonderangeboten der Hersteller ab, können Leasingverträge allerdings insgesamt teurer sein als über Ratenkredite finanzierte Käufe. Bei beiden Finanzierungsformen müssen die Gewinne, Verwaltungskosten und Refinanzierungskosten der Gegenpartei bezahlt werden. Vollkaskoversicherungen fallen bei Fremdfinanzierungen ebenfalls immer an.

Die Kosten für Ratenkredite sind jedoch nicht an die gebrauchsgemäße Wertminderung gebunden, die in den ersten Jahren der Nutzung eines Neuwagens besonders hoch ist. Zudem erlangt der Käufer Eigentum am Fahrzeug, sobald der Kredit beglichen ist. Das Fahrzeug kann weiter genutzt oder verkauft werden. Eventuelle Erträge über den Restwert hinaus kann der Fahrzeuginhaber einstreichen.