Kredit mit 2 Antragstellern: das Für und Wider

Muss der Ehepartner einen Kreditvertrag mit unterzeichnen? Viele verheiratete Paare glauben das. Der Grund liegt im Verhalten eines Großteils der Banken, die von vornherein auf zwei Vertragspartner bestehen oder jedenfalls den Anschein erwecken.

Die Antwort auf die Frage ist aber „Nein“. Ehepartner müssen einen Darlehensvertrag nicht gemeinsam unterzeichnen und sollten das vom Grundsatz her auch nicht tun. Einige Ausnahmen mag es geben.

Bei der Finanzierung eines Eigenheims mit einem großen Kredit ist die Mitunterzeichnung in der Regel unumgänglich. Manchmal besteht auch der ausdrückliche Wunsch der Kreditnehmer, ein gemeinsames Vorhaben auch gemeinsam zu finanzieren.

Banken wünschen 2 Kreditantragsteller

Ist die Mitunterzeichnung eines Kreditantrags durch den Partner aus der Sicht der Kreditnehmer in den überwiegenden Fällen nicht wünschenswert, sehen Banken das anders. Banken erhalten eine zusätzliche Sicherheit, wenn zwei Personen einen Kredit aufnehmen.

Vor allem Direktbanken machen die Darlehensvergabe gerne von einer zweiten Unterschrift abhängig. Erhebungen zufolge soll sich die Wahrscheinlichkeit der Kreditvergabe um ca. 17 Prozent erhöhen, wenn der Kreditvertrag von einem zweiten Kreditnehmer mit unterzeichnet wird.

Das mag tatsächlich zutreffen, denn Banken erhalten durch den zweiten Kreditnehmer die doppelte Sicherheit für denselben Kredit, die Bonität eines jeden Unterzeichners vorausgesetzt. Tatsächlich werden 20 Prozent aller Kreditverträge von zwei Personen unterzeichnet.

Ein Grund für das besondere Sicherheitsbedürfnis der Banken mag im Charakter von Internetkrediten liegen. Der Kreditkunde ist häufig Erstkunde und deshalb nicht bekannt. Zwar werden Auskünfte bei Wirtschaftsauskunfteien, manchmal nicht nur bei der SCHUFA, eingeholt, und es findet eine Prüfung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit anhand der Angaben des Kreditnehmers und der eingereichten Unterlagen statt.

Aber abgesehen von stillen Gehaltabtretungen werden bei den üblichen Verbraucherdarlehen zwischen 1.000 und 10.000 Euro weitere Sicherheiten regelmäßig nicht erwartet. Eine andere Verfahrensweise, die Anforderung zusätzlicher Sicherheiten je nach Einzelfall, würde zusätzlichen Verwaltungsaufwand mit Kosten bedeuten. Die Vorteile von Onlinekrediten, rasche, unbürokratische und kostengünstige Bearbeitung der Kreditanfrage unter Einsatz moderner Technologien, wäre verschenkt.

Manche Direktbanken schreiben deshalb einen zweiten Vertragspartner bei größeren Kreditbeträgen, etwa ab 10.000 Euro, ausdrücklich vor. Einige Direktbanken verzichten zunächst auf diese Vorgaben. In ihren Antragsformularen ist aber die Funktion „2. Antragsteller“ voreingestellt, ebenso wie das bei Restschuldversicherungen hin und wieder zu finden ist. Antragsteller müssen die Voreinstellung ändern, wenn sie das Darlehen allein aufnehmen möchten.

Kreditanfrage durch zwei Personen: die Folgen

Unterschreiben zwei Personen einen Kreditvertrag zusammen, kann das unterschiedliche rechtliche Bedeutungen haben. Beide Unterzeichner können in den Kreditvertrag selbst einbezogen werden. Dann liegt ein Kredit für zwei Personen vor. Oder die mitunterzeichnende Person wird selbstschuldnerischer Bürge. Die Rechtsfolgen sind in beiden Fällen ziemlich gleich.

Kredit für zwei Personen

Beide Antragsteller haften der Bank als Gesamtschuldner. Das bedeutet, die Bank kann jeden Vertragspartner auf Zahlung der vollen Summe in Anspruch nehmen, sei es, dass eine Rate oder mehrere Raten ausstehen oder dass die Bank die gesamte Restsumme nach erfolgter Kündigung fällig stellt. Ist bei einem der Kreditantragsteller nichts zu holen, kann die Bank sich ohne weiteres an den zweiten Kreditnehmer halten. Natürlich kann die Bank den geschuldeten Betrag nur einmal verlangen.

Umgekehrt können die beiden Kreditantragsteller nur gemeinsam handeln, wenn es um Angelegenheiten das Darlehen betreffend geht. Etwas anderes gilt nur, wenn untereinander oder im gemeinsam abgeschlossenen Darlehensvertrag mit der Bank eine andere Regel vereinbart wird. Sie können zum Beispiel den Kreditbetrag nur gemeinsam erhöhen oder nur gemeinsam Ratenpausen vereinbaren. Auch die vorzeitige Rückzahlung eines Darlehens erfordert das Einverständnis beider Kreditnehmer.

Ohne gesonderte Vereinbarung haften sie untereinander, im Innenverhältnis, zu gleichen Teilen. Hat beispielsweise ein Kreditnehmer den Restbetrag nach einer Kündigung durch die Bank in Höhe von 10.000 Euro ausgeglichen, besteht gegen den Mitunterzeichner ein Anspruch auf Zahlung von 5.000 Euro.

Eine Vereinbarung zwischen den beiden Kreditnehmern empfiehlt sich in erster Linie bei Darlehen über große Beträge mit langen Laufzeiten. Ein Beispiel sind Annuitätendarlehen für die Finanzierung eines Eigenheims.

Natürlich denken junge Eheleute nicht an eine Trennung, wenn sie ein Darlehen für das erste Eigenheim oder für ein besonders teures Auto aufnehmen. Aber bei hohen Summen empfiehlt sich schon, dass Innenverhältnis zu regeln. Wie sollen die Verpflichtungen unter den Partnern aufgeteilt werden? Was passiert mit dem fremdfinanzierten Gegenstand, wenn die Partnerschaft aufgelöst wird?

Bürgschaft

Bürgschaften spielen heutzutage nicht mehr die ganz große Rolle. Meistens wird ein gemeinsamer Kreditvertrag abgeschlossen. Aber es gibt Ausnahmen. Bürgschaften werden bevorzugt, wenn diese Konstruktion sowohl für die Bank als auch für den Kreditnehmer vorteilhafter ist. Beispiele:

  1. Die Bonität reicht für den gewünschten Kreditvertrag nicht aus. Um den Kreditabschluss dennoch zu ermöglichen, wird die Bürgschaft eines guten Freundes oder eines entfernten Verwandten angeboten.
  2. Der nicht verheiratete Antragsteller lebt mit einem Partner zusammen. Der gewünschte Kredit wird wegen nicht ganz ausreichender Bonität nur vergeben, wenn eine zweite Unterschrift geleistet wird. Der Partner möchte aber nicht direkter Vertragspartner werden, ist aber zu einer Bürgschaft bereit.
  3. Der Antragsteller ist arbeitslos, möchte dennoch allein einen Kredit aufnehmen. Die meisten Kreditinstitute lassen sich darauf nicht ein. Manche vergeben aber dennoch ein Darlehen, wenn ein solventer Bürge gestellt wird.

Wird ein Kredit ohne Bürgen nicht vergeben, ist das grundsätzlich kein gutes Zeichen. Eigentlich sollte in solchen Fällen auf eine Darlehensaufnahme verzichtet werden.

Auf der anderen Seite gehen Bürgen ein hohes Risiko ein. Banken vereinbaren in aller Regel selbstschuldnerische Bürgschaften. Kommt es zu Zahlungsproblemen, kann sich die Bank sofort an den Bürgen wenden, ohne zunächst den Kreditnehmer selbst verklagen zu müssen.

Soweit der Bürge Zahlungen an die Bank geleistet hat, steht ihm ein Anspruch gegen den Kreditnehmer zu. Natürlich können auch hier andere Regelungen im Verhältnis zwischen Bürgen und Kreditnehmer vereinbart werden. Mit oder ohne Vereinbarung, wenn es der Bank schon nicht gelingt, die Ansprüche gegen den Kreditnehmer ohne große Probleme durchzusetzen, wird es der Bürgen noch viel schwerer haben.

Vorteile bei 2 Antragstellern

Die Möglichkeit höherer Kreditbeträge und besserer Zinskonditionen, beides wird oft als Vorteil bei Krediten mit 2 Antragstellern herausgestrichen.

Beide Vorteile gibt es aber nur, wenn jeder der Mitunterzeichner über eigenes Einkommen und einen ausreichenden Kreditscore verfügt. In solchen Fällen werden alle Bonitätsfaktoren gemeinsam unter Berücksichtigung der Vergaberichtlinien bearbeitet, und es kann zur Vereinbarung besserer Konditionen kommen.

Entweder erhalten die Darlehensnehmer einen günstigen Kredit mit bonitätsunabhängigen Zinssätzen, den ein Antragsteller allein erst gar nicht bekommen hätte. Oder bei bonitätsabhängigen Zinssätzen sind die Zinskonditionen etwas vorteilhafter.

Manche Banken stellen Sonderkonditionen in Aussicht, wenn zwei Antragspartner den Vertrag unterschreiben. Bevor ein gemeinsamer Kreditantrag gestellt wird, sollte die Probe aufs Exempel gemacht werden.

Zuerst werden zwei oder drei Kreditanfragen von nur einem Kreditnehmer gestellt, sinnvollerweise vom Kreditnehmer mit der besseren Bonität. In einem zweiten Schritt werden dann gemeinsame Kreditanfragen gestellt. Die Anträge müssen nicht unbedingt bei denselben Banken eingereicht werden.

Ein Vergleich gibt Aufschluss darüber ob und in welchem Umfang es Unterschiede bei den Konditionen tatsächlich gibt. Müssen bei einem zweckgebundenen Darlehen besondere Sicherheiten gestellt werden (die Briefübergabe beim Autokredit), sollte ein zweiter Antragsteller immer überflüssig sein.

Nachteile eines gemeinsamen Kreditantrags

Der Vorteil der Bank beim Kredit für zwei Personen ist der Nachteil der Kreditnehmer. Die Bank hat Zugriff auf beide Einkommen und Vermögen. Bei der Mitunterzeichnung müssen beide Partner ihre wirtschaftlichen Verhältnisse offenlegen und gegebenenfalls stille Gehaltsabtretungen unterzeichnen.

Zudem ist die Bonität beider Unterzeichner vorbelastet, wenn zukünftig weitere Darlehen beantragt werden. Kommt der Kreditvertrag zustande, wird er in die Dateien der Wirtschaftsauskunfteien (SCHUFA) beider Kreditnehmer eingetragen. Auch bei einer Bürgschaft ist dies nicht anders. Eine selbstschuldnerische Bürgschaft wird in den Dateien immer vermerkt.

Erhält ein Mitunterzeichner allein keinen Kredit, weil beispielsweise negative SCHUFA Einträge vorliegen oder seine Bonität aus anderen Gründen nicht ausreicht, macht seine Unterschrift von vornherein keinen Sinn. Sie ist schlichtweg überflüssig. Denn sie beeinflusst die Konditionen des benötigten Kredits in keiner Weise. Im Gegenteil: Schufaeinträge eines Mitunterzeichners können sich negativ auf die Kreditvergabe auswirken.

Kredit ohne SCHUFA

Schufafreie Kleinkredite über 3.000 Euro oder 5.000 Euro werden grundsätzlich immer nur an eine Person vergeben. Neben einer andauernden abhängigen Beschäftigung und dem Erfordernis der Volljährigkeit ist ein ausreichendes gesichertes Einkommen von über 1.150 Euro (bei 3.000 Euro Kredit) oder 1.600 Euro (bei 5.000 Euro Kredit) Voraussetzung. Vorbelastungen müssen angegeben werden.

Kredite ohne SCHUFA können direkt bei der Sigma Bank oder über Kreditvermittler beantragt werden. Auch bei Kreditvermittlern ist eine Vergabe an zwei Personen grundsätzlich ausgeschlossen. Es soll aber Vermittler geben, die eine selbstschuldnerische Bürgschaft durch eine weitere Person zulassen, wenn die Vergabevoraussetzungen beim Antragsteller selbst nicht erfüllt sind. Ob diese Möglichkeit tatsächlich besteht, haben wir jedoch nicht überprüft.