Kredit für Rentner zunehmend schwierig

Die Fälle, in denen ein Kredit für Rentner oder Pensionäre (Seniorenkredit) abgelehnt wird, sollen sich nach Auskunft von Fachleuten und Verbraucherschützern häufen.

Selbst kleine Verbraucherdarlehen werden der Generation 60 plus häufig verweigert oder nur zu unverschämt schlechten Bedingungen angeboten.

Nicht selten findet ab einem bestimmten Alter eine echte Bonitätsprüfung überhaupt nicht mehr statt. Selbst wenn der Antragsteller über ausreichendes Einkommen und gutes Vermögen verfügt, wird ein Kredit für Rentner ganz oder teilweise verweigert.

Geldinstitute scheuen das Risiko, das mit einem Erbfall verbunden ist, wenn die Erben die Erbschaft ausschlagen. Selbst Restschuldversicherungen können oft nicht mehr abgeschlossen werden.

Banken verschleiern mitunter Diskriminierung.

Natürlich wissen die Banken, dass ihr restriktives Verhalten bei Rentnerkrediten gegen geltendes Recht verstößt. Nach dem allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz aus dem Jahre 2006 ist eine Benachteiligung von Personen wegen des Lebensalters verboten.

Deshalb versuchen Kreditgeber, den Anschein zu erwecken, bei der Ablehnung eines Rentnerkredits eine Einzelfallentscheidung getroffen zu haben, die nichts mit dem Lebensalter ihres Kunden zu tun hat.

Verbraucherschützer gehen allerdings davon aus, dass es für die Gewährung eines Kredits für Rentner oder Pensionäre hinter den Kulissen pauschale Vorgaben gibt.

Wie Senioren sich wehren können.

Für ältere Menschen gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, auf das diskriminierende Verhalten der Banken zu reagieren:

Bisweilen wird geraten, sich vor Vollendung des sechzigsten Lebensjahres mit den nötigen Krediten einzudecken, um absehbare größere Vorhaben problemlos fremd finanzieren zu können. Auf diese Weise kann dann ein „Kredit für Rentner“ weitgehend vermieden werden.

Solche Kreditaufnahme auf Vorrat setzt natürlich gute wirtschaftliche Verhältnisse voraus und dürfte in den überwiegenden Fällen wenig praktikabel sein.

Eine weitere Möglichkeit ist die Aufnahme des Kredits durch Dritte, durch einen nahen Angehörigen zum Beispiel. Die dritte Person tritt gegenüber der Bank als (Mit-)Kreditnehmer oder Bürge auf. Intern wird aber vereinbart, dass der Rentner oder Pensionär das Darlehen allein zurückführt.

Wird ein Kredit für Rentner abgelehnt oder sind die Bedingungen nicht akzeptabel, gibt es außerdem die Möglichkeit, sich gegen diese Diskriminierung zur Wehr zu setzen. Das kann im Einzelfall zur Gewährung des gewünschten Kredits führen, wenn auch der Aufwand dafür recht hoch ist.

Anspruch aus dem Gleichbehandlungsgesetz durchsetzen

Der Anspruch aus dem Gleichbehandlungsgesetz muss binnen zwei Monaten geltend gemacht werden. Die Beweislast dafür, dass eine Diskriminierung nicht stattgefunden hat, trifft die Bank.

Der Betroffene braucht nur Indizien darzulegen und zu beweisen, die eine Benachteiligung vermuten lassen. Solche Indizien ergeben sich in der Regel aus dem Verhalten der Bank während des Kreditantragsverfahrens.

Senioren sollten deshalb Gespräche und Verhandlungen mit Bankangestellten in Gegenwart dritter Personen führen, die als Zeugen in Betracht kommen.

Manchmal hilft auch die Einschaltung der Schlichtungsstelle des jeweiligen Kreditinstitutes, um einen Kredit für Rentner zu ermöglichen.