Kredit trotz Insolvenz (un)möglich?

Im Folgenden geht es nicht um die Frage, ob ein Kredit trotz Insolvenz oder im Anschluss an die Restschuldbefreiung eine sinnvolle Sache ist.

Die Entscheidung über eine erneute Verschuldung nach all den Problemen mit Krediten in der Vergangenheit muss jeder für sich selbst treffen.

Erörtert wird die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Darlehensaufnahme während der Privatinsolvenz und in der Zeit nach der Restschuldbefreiung möglich ist.

 

Kredit trotz Insolvenz

Theoretisch ist ein Kredit trotz Insolvenz, also während des Verfahrens, nicht ausgeschlossen. Erste Voraussetzung ist jedoch die Zustimmung des Insolvenzverwalters. Es mag Fälle geben, in denen der Insolvenzverwalter eine Darlehensaufnahme für sinnvoll oder für vertretbar erachtet und ihr zustimmt.

Zweite Voraussetzung ist, einen Kreditgeber zu finden, der ein solches Darlehen gewährt. Das ist ohne zusätzliche Sicherheiten praktisch unmöglich. In der Regel wird die Bank verlangen, dass ein Bürge gestellt wird oder eine dritte Person das Darlehen mitunterzeichnet.

Der eigentliche Darlehensnehmer ist dann wirtschaftlich betrachtet die Person, die zusammen mit dem insolventen Kreditnehmer den Vertrag abgeschlossen hat oder die als selbstschuldnerischer Bürge fungiert.

Der Bürger oder Mitunterzeichner ist es, der den Bonitätsanforderungen der Bank genügen muss. Wer sich in der Privatinsolvenz befindet, wird allein keinen Kredit erhalten. In diesem Sinn gibt es keinen Kredit trotz Insolvenz. Eine Ausnahme besteht vielleicht, wenn eine Privatperson, etwa ein naher Verwandter, den Kredit vergibt.

 

Kredit nach Restschuldbefreiung

In der Theorie ist der Schuldner nach Abschluss der sechsjährigen Wohlverhaltensphase und Erteilung der Restschuldbefreiung wieder in der Lage, ohne Beschränkung am Wirtschaftsleben teilzunehmen und damit auch Darlehen aufnehmen zu können.

Allerdings wirkt die Privatinsolvenz in mehrerer Beziehung nach, so dass eine Aufnahme von Krediten zu angemessenen Bedingungen, selbst die Erteilung einer Kreditkarte oder die Genehmigung eines Überziehungskredits, praktisch über Jahre ausgeschlossen sind. Im Einzelnen:

Privatinsolvenz und SCHUFA

Die SCHUFA erhält ihre Daten von ihren Vertragspartnern und aus öffentlich zugänglichen Verzeichnissen wie Schuldnerregister bei den zuständigen Amtsgerichten.

Eingetragen wird die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Der entsprechende Vermerk wird nach drei Jahren zum Jahresende nach Aufhebung oder Einstellung des Verfahrens gelöscht; und zwar zusammen mit dem Hinweis auf die Aufhebung.

Tag genau nach fünf Jahren gelöscht werden Ablehnung des Insolvenzverfahrens mangels Masse oder die spätere Einstellung mangels Masse.

Die Ankündigung der Restschuldbefreiung (Beginn der Wohlverhaltensphase) bleibt während des Verfahrens, also Tag genau sechs Jahre, im SCHUFA Register. Danach wird eingetragen, ob die Restschuldbefreiung versagt oder erteilt wurde. Die Daten darüber (Erteilung oder Versagung) werden nach drei Jahren zum Jahresende gelöscht.

Vertragspartner der SCHUFA können offene Forderungen bis zur endgültigen Erteilung der Restschuldbefreiung melden. Alle gemeldeten Forderungen werden mit der Erteilung der Restschuldbefreiung mit einem Erledigungsvermerk ausgestattet. Der Vermerk wird nach drei Jahren aus der Datei entfernt.

Aus all dem folgt, Eintragungen im Zusammenhang einer privaten Insolvenz sind erst drei Jahre zum Jahresende nach der Restschuldbefreiung verschwunden. Beispiel: Restschuldbefreiung 10. Januar 2010, Löschung aller SCHUFA-Einträge 31. Dezember 2013. Am 1. Januar 2014 ist die „SCHUFA-Weste rein“.

In der Praxis wird der Betroffene also meistens noch drei Jahre plus warten müssen, bis er ein Darlehen von einer Bank vielleicht ohne Schwierigkeiten erhält. Allerdings muss mit einer Verschlechterung des Score Werts durch das Insolvenzverfahren gerechnet werden.

Behandlung der Privatinsolvenz im amtlichen Schuldnerverzeichnis

Die Versagung der Restschuldbefreiung wird im Schuldnerverzeichnis eingetragen. Gleiches gilt für den Widerruf. Eingetragen wird auch die Ablehnung des Insolvenzantrages mangels Masse. Gleichzeitig erfolgt eine Bekanntmachung im Internet.

Im Internet veröffentlicht werden außerdem die Eröffnung des Insolvenzverfahrens dessen Aufhebung und die Erteilung der Restschuldbefreiung.

Der Antrag auf Abweisung mangels Masse wird aus dem Schuldnerverzeichnis nach fünf Jahren gelöscht. Eintragungen in das Schuldnerverzeichnis dürften für die Herausgabe von Krediten nach Restschuldbefreiung also eigentlich keine Rolle spielen.

 

Kredit nach Insolvenz: wie vorgehen?

Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Kreditantrag ist ein regelmäßiges Einkommen über längere Zeit hinweg, das hoch genug ist, um die Rückzahlung des Darlehens sicherzustellen.

Der erste Schritt sind Auskünfte bei der SCHUFA und aus dem Schuldnerverzeichnis. Vor allem die SCHUFA Daten sind häufig fehlerhaft. Aber auch im Schuldnerverzeichnis können Fehler vorkommen.

Stellen sich Unrichtigkeiten heraus oder sind noch Eintragungen vorhanden, die eigentlich gelöscht sein müssten, sollte auf eine Berichtigung hingewirkt werden.

Der nächste Schritt ist ein Gespräch mit der Hausbank oder einer anderen Filialbank. Dabei ist es wahrscheinlich sinnvoll, mit offenen Karten zu spielen, selbst wenn keine Eintragungen mehr nachvollzogen werden können.

Sind einschlägige SCHUFA-Einträge noch nicht gelöscht, wird es allerdings sehr schwer sein, von einer herkömmlichen Bank ein Darlehen zu erhalten.

Im Falle einer Ablehnung bleibt noch die Möglichkeit eines Kreditantrags bei Finanzdienstleistern wie Bon Kredit oder Creditolo.

Beide Kreditvermittler sind seriös und haben sich unter anderem auf Kredite in schwierigen Fällen spezialisiert. Negative SCHUFA-Einträge schließen eine Kreditvergabe nicht von vornherein aus. Die Kreditanfrage ist kostenlos.

Allerdings wird es auch hier nicht einfach sein, das gewünschte Darlehen zu erhalten.

 

Kredit ohne SCHUFA

Bisweilen werden Kredite ohne SCHUFA empfohlen. Manche Angebote für solche Darlehen sind allerdings nicht seriös.

Darlehen ohne SCHUFA sind teure Kleinkredite über 3.500 bis 5.000 €, die keineswegs ohne weiteres vergeben werden. Erforderlich sind der Nachweis ausreichenden Einkommens und meistens auch das Vorhandensein eines Girokontos.

Eine SCHUFA Auskunft wird nicht eingeholt, aber sonst nutzt der ausländische Kreditgeber alle anderen Informationsquellen. Dazu gehören Benachrichtigungen im Internet ebenso wie Anfragen bei amtlichen Schuldnerverzeichnissen.

Manche Anbieter solcher Kredite nehmen „ohne SCHUFA“ sogar wörtlich und holen Auskünfte zwar nicht dort aber bei anderen Wirtschaftsauskunfteien ein.

Ein schufafreier Kredit trotz Insolvenz wird also in den meisten Fällen nicht einfacher als normale Darlehen, niemals aber wirklich zu empfehlen sein.