Kredit und Inflation

Profitieren Kreditnehmer von einer Inflation? Diese alte Frage wird wieder zunehmend gestellt, seitdem manche Experten glauben, die offensive Geldpolitik der Notenbanken könne zu einer drastischen Inflation führen.

Und die Antwort ist wie so oft: Es kommt darauf an. Grundsätzlich kommt eine Inflation den Kreditnehmern zu Gute. Die Höhe des aufgenommenen Kredits steigt natürlich nicht mit der Inflation.

Realwert des Kredits schrumpft.

Wer 100.000 Euro aufgenommen hat, schuldet nach einem Jahr nicht plötzlich 103.000 Euro, nur weil die Inflationsrate 3 % beträgt. Während der Nominalwert gleich bleibt, hat sich allerdings der Realwert des Kredits um ca 2,92 Prozent verringert. Und das ist der Gewinn des Kreditnehmers.

Auch dieZinsen entwickeln sich so, wie vertraglich vereinbart. In aller Regel steigen die Zinsen während einer Inflation, weil die Notenbanken die Geldentwertung mit Hilfe einer restriktiven Geldpolitik, der Erhöhung der Leitzinsen, zu bekämpfen suchen.

Hat der Kreditnehmer einen günstigen Zins mit langer Zinsbindungsfrist vereinbart, ist er während dieser Zeit vor Zinserhöhungen infolge der Inflation sicher. Danach sieht es anders aus.

Also: Wer einen Kredit mit langer Zinsbindungsfrist aufgenommen hat und zu niedrigen Zinssätzen, kann von der Inflation profitieren, vor allem wenn der Zinssatz (sehr selten) unter der Inflationsrate liegt.

Einkünfte müssen steigen.

Allerdings muss eine weitere wichtige Voraussetzung vorliegen. Das Wachstum seinerEinkünfte muss mit der Inflationsrate Schritt halten.

Wenn jemand real weniger verdient, dann kann er auch entsprechend weniger vom realen Wertverfall seiner Schulden profitieren. Die entsprechende Wirkung der Inflation frisst die Gewinne durch den Wertverfall des Kredits ganz oder teilweise wieder auf.

Vielleicht ist „Profitieren Kreditnehmer von einer Inflation?“ gar nicht die richtige Frage.

Gewinner und Verlierer bei Inflation

Die richtige Frage lautet vielleicht: Wer sind dieGewinner einer Inflation und wer die Verlierer? Wer geregelte, sich nur langsam anpassende Einkünfte bezieht, wie Arbeitnehmer zurzeit in Deutschland, oder wer Inhaber auf Geld lautender Ansprüche (Sparbuch) ist, der verliert durch eine Inflation.

Gewinner sind diejenigen, die vor der Inflation in Sachwerte wie Unternehmen (Aktien), Immobilien oder langfristige Konsumgüter, vornehmlich kreditfinanziert, investieren konnten, und deren Einkünfte mit der Inflationsrate in etwa Schritt halten.

Ein bekanntes Beispiel ist der Unternehmer Hugo Stinnes, der vor der Hyperinflation 1922/1923 in erheblichem Umfang auf Kredit investiert hatte.