Die richtige Kreditkarte finden: Kartenarten im Überblick

Das Kreditkartenangebot ist nicht gerade übersichtlich. Es ist eher verwirrend. Kreditkartenarten unterscheiden sich zunächst einmal nach dem mit der Karte verbundenen Abrechnungssystem. Darüber hinaus sind die Karten mit unterschiedlichen Leistungen ausgestattet. Es gibt die klassische Kreditkarte, die oft standardmäßig mit der Einrichtung eines Girokontos ausgegeben wird. Und es gibt Gold- und Silberkarten, die meistens gegen Entgelt Zusatzleistungen zur Verfügung stellen.

Firmenkarten werden von Kreditkarten für den Privatgebrauch unterschieden. Bestimmte Personengruppen wie Studenten können Kreditkarten mit oft eingeschränktem Kreditrahmen aber dafür mit bestimmten Sondervergünstigungen erhalten. Und schließlich gibt es noch verschiedene Kreditkartenherausgeber: Visa, Mastercard, Diners Club, American Express und die Produkte von Barcleycard sind in Deutschland die bekanntesten.

Welche Kreditkarte ist nun die richtige für mich? Entscheidend sind die Wahl des richtigen Abrechnungssystems und die Einschätzung der eigenen Disziplin im Umgang mit Kreditrahmen. Daneben spielt noch eine Rolle, für welche Zwecke die Kreditkarte genutzt werden soll.

Welche Kreditkartenarten gibt es?

In Deutschland sind fünf unterschiedliche Kartenprodukte gebräuchlich, die unter dem Namen Kreditkarte angeboten werden. Aber nicht alle Kartentypen verdienen diesen Namen. Manchmal wird etwas gemogelt.

Aber anders als bei vielen anderen Finanzprodukten können diese Mogelpackungen für bestimmte Verbrauchergruppen durchaus Vorteile bieten.

Chargekarte

Mit der Chargekarte ist ein kurzfristiger Kredit innerhalb eines zuvor vereinbarten Rahmens möglich. Der Karteninhaber erhält eine monatliche Abrechnung, deren Sollsaldo meistens sofort zu einem bestimmten Stichtag ausgeglichen werden muss. Manchmal werden Zahlungsziele gewährt. Der Ausgleich ist dann üblicherweise im darauffolgenden Monat fällig.

Geschieht die Zahlung vertragsgemäß innerhalb der gesetzten Fristen, ist der gewährte Kredit zinslos. Die Chargekarte ist die gebräuchlichste Kreditkartenart in Deutschland. Wer sie nutzt, muss damit rechnen, einen relativ hohen Betrag kurzfristig vollständig ausgleichen zu müssen. Andernfalls fallen erhebliche Kosten an.

Sie eignet sich für alle, die zum Abrechnungszeitpunkt die nötigen Finanzmittel sicher haben. Muss der Sollsaldo noch im selben Monat ausgeglichen werden, also unmittelbar mit der Abrechnung, ist die Laufzeit des gewährten Kredits extrem kurz.

Klassische Kreditkarte

Dieser Kartentyp ist in Deutschland eher selten, in den USA aber üblich. Beispielsweise bietet Barcleycard klassische Kreditkarten ohne zusätzliche Gebühren an. Dem Inhaber wird ein Verfügungsrahmen eingeräumt, innerhalb dessen er sich frei bewegen kann. Er kann Sollsalden sofort nach deren Entstehen ausgleichen. Oder er kann Zahlungen nach Zusendung der monatlichen Abrechnung zum vereinbarten Zahlungstermin leisten.

Oft liegt der vereinbarte Zahlungstermin am Ende des Monats, der auf den Abrechnungszeitraum folgt. Dadurch wird die mögliche Laufzeit des Kredits auf bis zu 8 Wochen verlängert. In der Regel muss der Karteninhaber bis zum Zahlungstermin nur eine bestimmte Summe zahlen, je nach Vertragsinhalt zwischen 2 % und 50 % des offenen Betrages.

Keine Zinsen entstehen, wenn zum vereinbarten Zahlungstermin der gesamte Saldo ausgeglichen wird. Wird die offene Summe aber nur teilweise ausgeglichen, muss der Karteninhaber Zinsen zahlen, die oft denen teurer Dispositionskredite entsprechen.

Karteninhaber können durch Sondertilgungen den Kreditrahmen jederzeit wieder aufstocken und den dadurch gewonnenen Verfügungsspielraum erneut nutzen. Man spricht deshalb auch von einer Revolving Card oder einem revolvierenden Kredit.

Die Nutzung revolvierender Kreditkarten setzt eine gewisse Disziplin voraus. Sie sind ein ausgezeichnetes Zahlungsmittel, wenn Karteninhaber den gesamten Sollsaldo aus der Abrechnung regelmäßig bis spätestens zum vereinbarten Zahlungstermin ausgleichen, selbst wenn zuvor Sondertilgungen geleistet wurden.

Geschieht dies nicht, kann die Kreditkarte teuer werden. Da niemals der Zwang besteht, zu einem bestimmten Zeitpunkt alle Schulden zu begleichen, besteht die Gefahr, laufend einen bestimmten Sollsaldo vor sich her zu schieben und dafür teure Zinsen zahlen zu müssen. Dann ist die Situation vergleichbar mit der eines Dispositionskredits über lange Zeiträume. In beiden Fällen empfiehlt sich die Umschuldung in einen Ratenkredit.

Charge and Credit Card

Es handelt sich um eine Mischform zwischen einer Chargekarte und einer revolvierenden, echten Kreditkarte. Inhaber solcher Karten können innerhalb bestimmter vereinbarter Grenzen ihren Verfügungsrahmen selbst bestimmen, indem sie Einzahlungen leisten. Darauf gewährt der Finanzdienstleister einen Kredit in einer bestimmten Höhe.

Beispiel: Vereinbart wird, dass 50 % der Einzahlungssumme als weiterer Kredit verwandt werden kann. Der Karteninhaber zahlt 1.000 Euro ein und kann daraufhin über 1.500 Euro verfügen. Auf den gewährten Kredit in Höhe von 500 Euro sind die vereinbarten Zinsen zu zahlen.

In Deutschland ist diese Kreditkartenart kaum zu finden. Solche Karten sind auch eher unpraktisch und unübersichtlich.

Debitkarte

Mit einer klassischen Debitkarte gibt es keinen Kredit. Das Girokonto des Karteninhabers wird sofort belastet. In Deutschland gibt es zwei populäre Formen: die Girocard (Maestro-Card) und die V Pay von Visa.

Es handelt sich um keine Kreditkarten und eine Überziehung ist nicht möglich. Die Karten weisen keine Hochprägung auf. Überziehbare Debitkarten mit Hochprägung gibt es in vor allem in den USA.

Auch bei der Debitkarte gibt es eine Mischform. Manchmal wird ein Kreditrahmen eingeräumt. Der Verfügungsrahmen wird genutzt, sobald kein Guthaben mehr auf dem Girokonto besteht. Mit der Monatsabrechnung wird der Betrag aus dem Saldo sofort eingezogen.

Prepaid Karten

Prepaid Karten werden häufig als Prepaid Kreditkarten ausgegeben. Dabei handelt es sich aber streng genommen um eine Mogelpackung. Eine Kreditkarte setzt die Gewährung eines Kredits voraus. Das ist bei Prepaidkarten nicht der Fall.

Ausgegeben werden kann nur der Betrag, der zuvor aufgeladen oder auf andere Art und Weise zur Verfügung gestellt wurde. Prepaid Karten sind also am ehesten mit Debitkarten vergleichbar. Es handelt sich um Guthabenkarten. Überziehungen sind ausgeschlossen. Deswegen eignen sich solche Karten für Personen, die sich davor fürchten, in die Schuldenfalle zu geraten, weil es ihnen etwa an Disziplin im Ausgabeverhalten fehlt.

Manchmal liest man über Kreditkarten ohne SCHUFA oder trotz SCHUFA. Dabei handelt es sich immer um Prepaid Karten. Eine Schufaauskunft erübrigt hier, weil der Karteninhaber keine Kreditverpflichtung eingeht. Allerdings kann es zur Einschaltung der SCHUFA kommen, wenn mit der Karte die Einrichtung eines Verrechnungskontos (Girokonto) verbunden ist.

Von Prepaidkarten können Personen profitieren, die aus unterschiedlichen Gründen keine Kreditkarte erhalten: Studenten und Schüler, Empfänger von Sozialleistungen oder Personen mit schlechter SCHUFA. Vom äußeren Aussehen her, erwecken Prepaidkarten manchmal den Eindruck, als handele es sich um echte Kreditkarten.

Allerdings akzeptieren nicht alle Geschäfte und Dienstleister Prepaidkarten. Mietwagen- und Reiseunternehmen verweigern bisweilen die Annahme. Auch Hotelbuchungen können sich schwierig gestalten.

Die Herausgeber von Prepaidkarten verlangen manchmal relativ hohe Gebühren. Bisweilen wird sogar für jede Transaktion Geld verlangt. Zudem sind bestehende Guthaben pfändbar. Dies sind weitere Nachteile.

Weitere Karteneigenschaften

Abgesehen von den unterschiedlichen Formen der Kartenabrechnung gibt es noch weitere Eigenschaften, die für die Auswahl wichtig sein können.

Es gibt Kreditkarten, die auf Dauer keine Jahresgebühr erheben und solche, die gebührenpflichtig sind. Andere wiederum sind im ersten Jahr gebührenfrei, dann fallen Kosten an. Dabei handelt es sich um typische Lockvogelangebote, die man besser meidet.

Kunden sind in der Regel mit einer jahresgebührfreien Kreditkarte gut bedient. Zusatzleistungen, wie sie die teuren Silber-, Gold- oder Platinkarten bieten benötigen viele überhaupt nicht. Sie bezahlen für Leistungen, die sie niemals in Anspruch nehmen.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Wer viel unterwegs ist, sollte auf geringe Gebühren bei der Nutzung der Karte im Ausland Wert legen. Diesen Service bieten aber auch viele Kreditkarten ohne Jahresgebühr an.

Kostenpflichtige Karten enthalten häufig Zusatzleistungen wie Reisekrankenversicherungen oder Reiserücktrittsversicherungen. Auch kann es Rabatte beim Anmieten von Mietwagen, bei Reisebuchungen und bei Hotelbuchungen geben. Abgesehen von Versicherungen bieten solche Leistungen allerdings manchmal auch kostenlose Karten, wenn auch nur in einem bestimmten Umfang.

Rabattsysteme sind sehr beliebt. Müssen Rabatte allerdings mit der Kostenpflicht bei Kreditkarten bezahlt werden, ist das nicht unbedingt verbraucherfreundlich. Solche Karten geben oft nur Rabatte, wenn Dienstleistungen bei bestimmten Anbietern in Anspruch genommen werden. Und das sind nicht selten gerade diejenigen, mit denen der Karteninhaber selten oder überhaupt nicht Geschäfte abschließt.

Verbraucherfreundlich sind Kreditkarten, die einen allgemeinen Rabatt auf alle Bezahlvorgänge gewähren und dabei kostenfrei sind. Tankrabatte sind häufig. Kreditkarten mit Tankrabatten können empfehlenswert sein, wenn der Karteninhaber viel mit dem Auto unterwegs ist. Solche Karten können sich unter diesen Voraussetzungen sogar rechnen, wenn sie eine Jahresgebühr erheben.

Das Kartenangebot ist vielfältig, und es ist keineswegs einfach das passende Angebot herauszufinden. Manchmal kann ein kostenloser Kreditkartenvergleich hilfreich sein, sofern der Vergleich über ausreichende Filterfunktionen und Voreinstellungen verfügt.