Kreditkündigung durch Banken: Bonität gefährdet

Kreditnehmer können Ratenkredite ohne weiteres durch ordentliche Kündigung aufheben. Jedenfalls gilt dies für Verbraucherkredite, die nach Juni 2010 abgeschlossen wurden.

Kreditgeber, also meistens Banken, haben kein ordentliches Kreditkündigungsrecht bei Ratenkrediten. Ihnen ist die Darlehenskündigung nur ausnahmsweise erlaubt, wenn ein wichtiger Grund vorliegt.

Doch wird der Darlehensvertrag von einer Bank vorzeitig aufgelöst, können für den Kreditnehmer fatale Folgen entstehen.

 

Wichtiger Grund als Voraussetzung für die Darlehenskündigung

Alle Banken sehen in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen die Kündigung des Kreditvertrages aus wichtigem Grund vor. Was zulässigerweise ein wichtiger Grund sein kann, ist verhältnismäßig fest umschrieben. Hier die wichtigsten Beispiele:

  • Der Kreditnehmer stellt die Zahlungen ein oder kündigt an, die Zahlungen einzustellen.
  • Die wirtschaftliche Situation oder die Werthaltigkeit von Sicherheiten haben sich wesentlich verschlechtert.
  • Gegen den Darlehensnehmer sind Zwangsvollstreckungsmaßnahmen eingeleitet worden.
  • Vertraglich vereinbarte zusätzliche Sicherheiten werden im Nachhinein verweigert.
  • Der Kreditnehmer hat insbesondere im Zuge des Kreditabschlusses falsche Angaben in seinem Einkommen und seinem Vermögen gemacht.

Liegen diese Voraussetzungen vor, hat die Bank die grundsätzliche Möglichkeit, ein Verbraucherdarlehen zu kündigen.

 

Hauptfälle: Zahlungsverzug und Vermögensverschlechterung

In der Praxis spielt die Kreditkündigung nach Zahlungsverzug größte Rolle. Aber nicht jeder Zahlungsverzug berechtigt zur vorzeitigen Auflösung des Darlehensvertrages.

Die Bank darf einen Kredit nur kündigen, wenn der Darlehensnehmer mindestens zwei aufeinanderfolgenden Kreditraten in Verzug ist. Zusätzlich muss die Summe der ausstehenden Raten bei einer Laufzeit bis zu drei Jahren 10 % und bei einer Laufzeit von mehr als drei Jahren 5% betragen.

Außerdem gibt es formale Anforderungen. Die Bank muss dem Kunden mindestens zwei Mal eine Mahnung geschickt und ausdrücklich angedroht haben, bei bei Nichtleistung den Kredit zu kündigen.

Ein weiterer in der Praxis häufig vorkommender Fall ist die Verschlechterung der Schufa Bonität oder, anders ausgedrückt, die Verschlechterung der Einkommens- und Vermögenssituation.

Banken holen nicht nur vor Abschluss des Kreditvertrages Schufaauskünfte ein. Sie nehmen regelmäßig darüber hinaus die von der Schufa angebotenen Nachmeldungen in Anspruch.

Immer wenn der Schufa ein Negativmerkmal von irgend einem Vertragspartner gemeldet wird, erhält die Bank darüber eine Nachricht.

Ergibt sich aus der Nachmeldung eine wesentliche Verschlechterung der Vermögenslage, beispielsweise weil Zwangsvollstreckungsmaßnahmen eingeleitet wurden, ist eine fristlose Kündigung des Darlehensvertrages prinzipiell möglich.

 

Kreditkündigung durch die Bank: fatale Folgen für Kreditnehmer

Sprechen Banken eine rechtmäßige sofortige Kreditkündigung aus, hat das für den Darlehensnehmer schwerwiegende wirtschaftliche Folgen.

Als unmittelbare Rechtsfolge der Auflösung des Darlehensvertrages muss der Kreditnehmer den noch nicht getilgten Restbetrag sofort zurückführen. Zusätzlich müssen Verzugszinsen, und gegebenenfalls Bearbeitungsgebühren bzw. Mahn- oder Gerichtskosten bezahlt werden.

Wirtschaftlich häufig noch unangenehmer sind die mittelbaren Folgen der Darlehenskündigung. Sie führt immer zu einem Negativeintrag in der Schufa. Damit werden zukünftige Kreditverträge aber auch andere Verträge des alltäglichen Lebens für lange Zeit erschwert oder gar unmöglich gemacht.

 

Wenn Banken den Dispo Kredit kündigen

Besonders oft entstehen finanzielle Probleme im Zusammenhang mit gewährten Dispokrediten. Es besteht die Gefahr, dass Verbraucher praktisch schleichend in die Schuldenfalle geraten.

Zunächst wird der eingeräumte Dispositionsrahmen über längere Zeit vollständig ausgeschöpft. Danach rutscht der Bankkunde in die geduldete Überziehung, um schließlich auch diesen Kreditrahmen zu überschreiten.

Allein dieses Verhalten kann den Schufa Score schon negativ beeinflussen. Die Kündigung durch die Bank tut ein übriges.

Wird die gesamte Forderung nach der ausgesprochenen Kündigung des Dispokredits nicht ausgeglichen, kündigen Banken häufig zusätzlich noch das Girokonto, ein Vorgang, der ebenfalls zu einem negativen Eintrag in der  Schufa führt.

Viele Bankkunden können die Auflösung des Kontos nicht mehr verhindern, weil sie wegen der zuvor erfolgten Schufaeinträge einen Ratenkredit zur Begleichung der Überziehung nicht mehr erhalten.

 

Handeln, nicht Vogel Strauß spielen

Geraten Kreditnehmer in Zahlungsschwierigkeiten, werden die Probleme oft verdrängt. Sollstände auf Konten, Rücklastschriften und sogar Mahnschreiben werden einfach ignoriert. Schuldner können keinen größeren Fehler machen.

Banken lassen sich auf ernsthafte Verhandlungen zur Schuldenregulierung in der Regel nur ein, wenn das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen ist. Sind die Verbindlichkeiten gekündigt, gibt es kaum noch Spielraum für ernsthafte Verhandlungen.

Wichtig ist rechtzeitiges Handeln, um die Bank davon abzubringen, den gewährten Kredit zu kündigen. Gegebenenfalls ist fachmännische Hilfestellung durch eine Schuldnerberatungsstelle sinnvoll.

Im Rahmen einer einvernehmlichen Lösung gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten: Stundung von Kreditraten, Zahlungsaussetzung für eine bestimmte Zeit sowie andere Rückzahlungsvereinbarungen oder die Verlängerung von Laufzeiten zur Reduzierung der Darlehenshöhe.

Überziehungskredite können in normale Ratenkredite umgewandelt werden. Auch kommt eine Erhöhung des Kreditrahmens in Betracht.

Verhandlungen über einvernehmliche Lösungen zur Rückführung von Darlehen werden allerdings nur Aussicht auf Erfolg haben, wenn noch ein gewisses Maß an wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, zum Beispiel geregeltes Einkommen, vorhanden ist.

Sofern Bonitätsgründe nicht entgegenstehen, können die Verpflichtungen eventuell auch mit einem neuen Kredit zu günstigeren Bedingungen abgelöst werden.

In manchen Fällen ist es empfehlenswert, den Umschuldungskredit bei einem anderen Kreditinstitut aufzunehmen, wenn die Bank die Vergabe eines Umschuldungsdarlehens zu vernünftigen Bedingungen verweigert.

Bei Schwierigkeiten mit Überziehungskrediten und wenn die Schufa Bonität schon etwas angeschlagen ist, kann sich ausnahmsweise ein Kredit ohne Schufa rechnen.

Schufafreie Kredite sind zwar teuer aber können sich insgesamt gesehen rechnen, wenn damit weitere negative Schufa Einträge verhindert werden können. Möglich sind Kreditbeträge bis zur Höhe von 5.000 €.