Kreditscoring mit Facebook Daten?

Wenn es um Kleinkredite oder Teilzahlungsverträge geht, versuchen Kreditgeber die Kosten für das Kreditscoring so gering wie möglich zu halten.

Neben dem Geoscoring gibt es jetzt ein neues Verfahren – das Kreditscoring anhand von Daten, die der Kreditnehmer durch die Nutzung des Internets hinterlassen hat.

Das Verfahren zur Auswertung des Online Verhaltens von Kreditnehmern für die Feststellung der Bonität wurde maßgeblich von einem deutschen Unternehmen mit entwickelt. Anders als das Geoscoring wird es jedoch in Deutschland bisher nicht verwendet.

Anders sieht es in den osteuropäischen Ländern und beispielsweise Mexiko aus. In diesen Ländern wird das Ermitteln von Scorewerten anhand von Online Daten vor allem dann herangezogen, wenn es sich um die Vergabe von allerdings extrem teuren Kleinstkrediten mit kurzer Laufzeit handelt. Denn das Verfahren ermöglicht eine Kreditvergabe in wenigen Minuten.

 

Kreditscoring mit Online Daten

Zur Feststellung des Scorewerts werden alle greifbaren Internetaktivitäten des Kreditsuchenden herangezogen. Besonders leicht lassen sich Konten bei sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter auswerten.

Die von dem Hamburger Unternehmen mitentwickelte Software ermöglicht die Bewertung von Onlineaktivitäten anhand von über 8000 Kriterien. Beispielsweise wird nach bestimmten Stichwörtern in den Posts auf sozialen Netzwerken gesucht.

Ergibt sich daraus etwa ein unsolider Lebenswandel oder mangelndes Ausdrucksvermögen sowie schlechte Rechtschreibfähigkeiten, wirkt sich das negativ auf das Kreditscoring aus.

Ausgewertet werden darüber hinaus solche Merkmale wie das Verhältnis zu Followern oder die Anzahl der getätigten Internetgeschäfte, beispielsweise bei EBay oder Amazon.

Liegen Käuferbewertungen oder Mitteilungen über Zahlungsprobleme vor, werden diese ebenfalls zur Feststellung des Kreditscoring herangezogen.

Die Software wertet darüber hinaus so genannte Handy Bewegungsdaten aus. Auf diese Weise lässt sich feststellen, ob ein potentieller Kreditnehmer sich regelmäßig an seinem gemeldeten Wohnort aufhält.

Grundsätzlich muss der potentielle Kreditnehmer in die umfassende Auswertung seiner im Internet hinterlassenen Daten einwilligen. Doch wird der Mikrokredit ohne Einwilligung nicht gewährt.

Die Situation ist also ähnlich wie mit der SCHUFA Auskunft. Streicht ein Kreditsuchender die Passage im Kreditantrag, nach der er in die SCHUFA Auskunft oder in die Auskunft anderer Auskunfteien einwilligt, wird kein Darlehensvertrag zu Stande kommen.

 

In Deutschland dominiert die SCHUFA

Angesichts der Dominanz der SCHUFA aber auch wegen des hohen Datenschutzbewusstseins in der deutschen Öffentlichkeit, ist eine Auswertung von Onlinedaten zur Feststellung des Kreditscorings hierzulande gegenwärtig kein Thema.

Allerdings wollte kürzlich die SCHUFA ein ähnliches System für Deutschland entwickeln. Die Umsetzung scheiterte aber an heftigen Protesten von Datenschützern und Politikern.

 

Geoscoring auch in Deutschland

Im Fall des Geoscorings ist die Sachlage jedoch anders. Diese Form der Bonitätsermittlung wird in Deutschland vor allem im Rahmen von Teilzahlungsdarlehen und Kleinkrediten angewandt, wenn auch in geringem Umfang.

Beim Geoscoring wird vom Wohnumfeld und vom Wohnverhalten (Umzugshäufigkeit) auf die Kreditwürdigkeit des Darlehensnehmers geschlossen. Verschlechtert sich das Wohnumfeld, kann sich ebenso die Bonität verschlechtern und zwar ohne Zutun des Kreditnehmers.

Große Dateien wie die SCHUFA und Bürgel wenden das Geoscoring nach eigenem Bekunden nicht an. Anders sieht das hingegen wohl bei Arvato Infoscore und Creditreform aus.