Negativer Leitzins? Was erwartet Kreditnehmer?

Ein Gerücht macht sich in Europa breit. Das Gerücht von negativen Leitzinsen, genauer gesagt vom negativen Einlagenzins.

Nach den letzten geldpolitischen Maßnahmen im November 2013 befinden sich alle Zinsen des so genannten Leitzinskanals auf einem historischen Tiefpunkt.

Der Hauptrefinanzierungssatz wurde am 7. November 2013 um 25 Basispunkte auf 0,25 % gesenkt, der Spitzenrefinanzierungssatz auf 0,75 % und der Einlagenzinssatz auf 0 % belassen.

Offenbar wurde am 7. November ein leicht negativer Einlagenzins diskutiert, aber jedenfalls mehrheitlich abgelehnt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

 

EZB: nur noch wenig Handlungsspielraum

Die finanzpolitischen Maßnahmen der EZB haben bisher nicht die gewünschte Wirkung erzielt. Das gilt nicht nur für die kontinuierlichen Leitzinssenkungen, sondern auch für die Anleiheaufkäufe und milliardenschweren Hilfspakete.

Wenn auch die Wirtschaft in Deutschland ganz gut läuft, in den meisten Euro Ländern ist das Gegenteil der Fall. Die Inflationsrate im gesamten Euro Raum beträgt gerade mal 0,7 %. Deswegen fürchten manche Experten eine drohende Deflation.

Zwar gibt es noch Handlungsspielraum für die EZB, der wird aber von Leitzinssenkung zu Leitzinssenkung geringer. Ziemlich sicher scheint eine weitere Senkung des Hauptrefinanzierungssatzes im neuen Jahr zu sein, sofern sich die wirtschaftliche Situation nicht merkbar verbessert.

Als weitere Möglichkeit wird diskutiert, den Banken die Mindestreserve bei der EZB zu erlassen, um Liquidität in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen.

 

Negative Leitzinsen weiter auf der Tagesordnung

Darüber hinaus sind negative Leitzinsen nicht vom Tisch. Das machen Äußerungen einiger EZB Direktoren deutlich. So betonte EZB Chef Draghi kürzlich, die Zentralbank sei technisch zur Einführung negativer Leitzinssätze bereit.

Damit dürfte jedoch nicht der Hauptrefinanzierungssatz gemeint sein. Solche Strafzinsen werden zwar von wenigen Wirtschaftswissenschaftlern empfohlen, ihre Einführung dürfte aber mit zu großem Risiko verbunden sein.

Möglich ist aber ein negativer Einlagenzinssatz, beispielsweise eine Senkung von zurzeit 0 % auf 0,1 %. Bei einem wenn auch moderaten Strafzins würde sich für Banken das Parken von Geld bei der EZB nicht mehr lohnen und sie würden stattdessen eher zur Kreditvergabe bereit sein, so jedenfalls die Hoffnung der Befürworter eines negativen Einlagezinssatzes.

 

Kaum Erfahrungen mit negativen Einlagenzinsen

Doch ob eine wirtschaftliche Belebung durch eine erhöhte Kreditvergabe tatsächlich erreicht wird, erscheint ausgesprochen zweifelhaft.

Wirklich probiert hat das noch keiner. Zwar haben Dänemark und Schweden das Instrument negativer Einlagenzinsen kurzfristig genutzt. Ziel war jedoch, die Überbewertung ihrer Währungen gegenüber dem Euro zu regulieren.

Eine Konjunkturbelebung durch vermehrte Kreditvergabe sollte dadurch nicht bewirkt werden.

 

Keine positiven Impulse auf den Kreditmarkt

Solche Impulse hat es tatsächlich auch nicht gegeben. Vielmehr war eher das Gegenteil der Fall. In Dänemark verteuerten sich Kredite, weil die Banken die Strafzinsen an ihre Kreditkunden einfach weitergaben.

Es gibt keinen Grund, weswegen dies im Euroraum anders sein sollte. Viel spricht also dafür, dass Kredite durch negative Einlagenzinsen teurer und nicht billiger werden.

Negative Zinsen können eher zu höheren Bargeldbeständen animieren. Das gilt verstärkt für negative Hauptrefinanzierungssätze, die auch Auswirkungen auf Unternehmen und Privathaushalte hätten.

Bei negativen Sparzinsen trägt man sein Geld nicht mehr zur Sparkasse sondern bewahrt es im Sparstrumpf zuhause auf. Negative Hauptrefinanzierungssätze werden aber in den Gremien der EZB offenbar nicht ernsthaft diskutiert.