Welche Daten den SCHUFA Score bestimmen

Der SCHUFA Score ist ein viel diskutiertes Thema. Der von der SCHUFA berechnete Wert kann darüber entscheiden, ob und unter welchen Voraussetzungen selbst alltägliche Geschäfte abgeschlossen werden können. Dabei geht es nicht nur um Darlehen, sondern auch um Telekommunikationsverträge, Ratenkäufe, Mietverträge und anderes.

Viele Verbraucherschützer fordern von der SCHUFA mehr Transparenz. Die größte deutsche Wirtschaftsauskunftei soll offenlegen, welche Faktoren in die statistische Berechnung einfließen und vor allem, wie diese bewertet und gewichtet werden. Das könnte Verbraucher in den Stand setzen, ihre Scorewerte durch eigenes Verhalten zu verbessern.

Doch die SCHUFA wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Offenlegung vor allem der Bewertungsmaßstäbe. Kürzlich gab ihr der Bundesgerichtshof Recht. Offen gelegt werden muss nur, welche Daten zur Berechnung des Basisscores oder der jeweiligen Branchenscores zugrundegelegt werden. Die Bewertungsformel selbst darf Geschäftsgeheimnis bleiben.

Allerdings ist jetzt etwas Licht ins Dunkel gekommen. NDR Info liegt eine Rangliste mit 18 Kriterien vor, die bei der Bewertung irgendwie berücksichtigt werden. Die Liste gibt wohl auch Aufschluss darüber, welche dieser Merkmale im Allgemeinen ein besonderes Gewicht haben.

 

18 Merkmale zur Berechnung der Scoreformel

 

Die von der SCHUFA erstellte Aufstellung der berücksichtigten Kriterien stellt als solche keine große Überraschung dar. Überrascht sind aber manche über die Rangfolge, welchen Kriterien also grundsätzlich die größte Bedeutung beigemessen wird.

Es sind in der Regel neutrale Daten und nicht, wie vermutet werden könnte, Merkmale, die gemeinhin als im Geschäftsverkehr negativ angesehen werden.

Die möglichen Gründe: Nur ca. 10 % der Datensätze weisen Negativmerkmale auf. Werden negative Daten zu stark gewichtet, könnte das zukünftige Zahlungsverhalten der Mehrheit der Verbraucher möglicherweise falsch eingeschätzt werden.

Großen Einfluss auf die Scorewerte haben wahrscheinlich Merkmale, die auf eine Beständigkeit im Verhalten hindeuten, wie dauerhafte Bankverbindungen zum selben Geldinstitut oder dauerhaftes Wohnen unter derselben Adresse. Hingegen stehen Erfüllungsprobleme bei Verträgen oder Zahlungsunfähigkeit bzw. Privatinsolvenz nicht an erster Stelle.

Auch die Anzahl aufgenommener Kredite sowie das Kreditvolumen scheinen im Grundsatz nicht die wichtigste Rolle zu spielen. Hier die 18 Merkmale:

  • Das Alter eines bestimmten Merkmals, beispielsweise das Alter einer bestimmten Bankverbindung oder der gegenwärtigen Anschrift.
  • Häufigkeit bestimmter, relevanter Vorfälle, beispielsweise die Häufigkeit von Kreditanfragen.
  • Anzahl der Bankverbindungen eines bestimmten Verbrauchers.
  • Anzahl früherer Anschriften. Wie oft ist der Betroffene umgezogen?
  • Negatives Zahlungsverhalten. Waren mehrfache Mahnungen erforderlich? Liegen Offenbarungseide vor oder Privatinsolvenz?
  • Das Lebensalter des Verbrauchers.
  • Die Anzahl der für einen bestimmten Verbraucher gespeicherten Merkmale.
  • Der Geburtsort des Verbrauchers. Dabei geht es angeblich nicht um den Geburtsort an sich, sondern nur ob er bekannt ist.
  • Das Geschlecht des Verbrauchers.
  • Q-Bit. Hierbei geht es um die Identitätsprüfung durch die SCHUFA.
  • Die Kredithäufigkeit. Wie häufig hat ein bestimmter Verbraucher Darlehen in Anspruch genommen.
  • Die Laufzeit von Darlehen ist ein weiteres Kriterium.
  • Außerdem wird das Kreditvolumen bei der Berechnung des Scores berücksichtigt.
  • Berücksichtigt wird darüber hinaus, ob ein Darlehen ordnungsgemäß bedient wurde.
  • In die Berechnung von Branchenscores fließt offenbar auch der Basisscore ein. Ein bestimmter Score wird also mit Hilfe eines anderen Scores ermittelt.
  • Wohnumfeld. Dieses Kriterium soll angeblich nur sehr selten zur Scoreberechnung herangezogen werden.

 

Positive und negative Merkmale

 

Ob einzelne Daten im konkreten Fall positiv oder negativ bewertet werden, und welches Gewicht sie bei der statistischen Berechnung einzelner Branchenscores haben, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen.

Bei einer Einschätzung kann aber helfen, wenn man sich vor Augen führt, zu welchem Zweck Scorewerte ermittelt werden. Es geht darum, die Wahrscheinlichkeit zu ermitteln, mit der ein bestimmter Verbraucher eine bestimmte Forderung erfüllen wird. Anders ausgedrückt, es geht darum, wie verlässlich oder beständig ein Verbraucher ist

Zur Feststellung dieses Kriteriums werden nicht die individuellen Verhältnisse im Einzelfall berücksichtigt, sondern der Betroffene wird einer bestimmten Gruppe zugeordnet, deren Merkmale mit denen des Verbrauchers weitestgehend übereinstimmen.

Beispielsweise wird ein gut verdienender Verbraucher mittleren Alters einen Kredit eher zurückzahlen können, als ein sehr junger Kreditnehmer oder als ein Rentner.

Man kann also vermuten, dass ein sehr junges oder ein sehr fortgeschrittenes Alter eher negativ berücksichtigt wird, während ein mittleres Alter sich eher positiv auf einen Kreditscore auswirkt.

 

SCHUFA lässt Transparenz vermissen

 

Seit einigen Jahren ist die SCHUFA verpflichtet, jährlich eine kostenlose Selbstauskunft zu erteilen. Es handelt sich dabei um die Datenübersicht nach Paragraph 34 des Bundesdatenschutzgesetzes. Verbraucherschützer kritisieren aber immer wieder, dass die Auskunft ihrer Meinung nach unvollständig und für viele Betroffene schwer verständlich ist.

Es wird vermutet, dass die SCHUFA nicht über alle für die Feststellung der subjektiven Kreditwürdigkeit wesentlichen Eintragungen und Daten informiert. Das ist eigentlich ein Verstoß gegen datenschutzrechtliche Regelungen.

So wird der Verbraucher gegenwärtig nicht darüber informiert, für wie alt die Auskunftei die aktuell gültige Anschrift hält, obwohl dieses Merkmal für die Bewertung des SCHUFA Scores eine entscheidende Rolle spielt. Kennt der Verbraucher dieses Datum nicht, kann er Fehler nicht richtig stellen.

Hilfreich wären auch Hinweise auf Negativfaktoren wie beispielsweise ein als zu hoch eingeschätztes Kreditvolumen. Damit würde die SCHUFA ihre Scoreformel nicht preisgeben.

Wer sich für mehr Transparenz einsetzen möchte, kann sich an einer Petition beteiligen.