Verzicht auf Strafzinsen bei Überziehungen kein echter Vorteil

Zwei bekannte Direktbanken, die ING Diba und die 1822direkt, haben kürzlich den Strafzins für geduldete Kontoüberziehungen abgeschafft und mit dieser ihrer Meinung nach Kunden freundlichen Maßnahme kräftig geworben.

Sie folgten damit dem Beispiel vieler kleiner Banken, die ebenfalls auf besondere Überziehungszinsen verzichtet haben. Für geduldete Überziehungen gelten bei all diesen Banken jetzt nur noch die normalen Zinsen für Dispokredite.

Die Abschaffung des Überziehungszinses hätte als Pilotprojekt dienen können. Viele Nachahmer hat diese Maßnahme jedoch bisher nicht gefunden.

Die überwiegende Anzahl der Banken für fürchten wegen der Abschaffung des Strafzinsen offenbar keinen Konkurrenzdruck. Hier liegen die Zinsen für geduldete Überziehungen nach wie vor 3 – 5 % über dem normalen Dispozinssatz. Überziehungszinsen können gegenwärtig bis zu 20 % betragen. Durchschnittlich sollen es 14,62 % sein.

 

Dispozinsen bleiben hoch

 

Den Forderungen vieler Verbraucherverbände, den unverschämt hohen Dispozins grundsätzlich deutlich zu senken, sind die meisten Banken bisher nicht nachgekommen. Der normale Dispozins liegt nach wie vor im Durchschnitt um 10 %, eher höher.

Allerdings bilden einige Banken eine rühmliche Ausnahme. Dazu gehören auch die ING Diba und die 1822direkt mit knapp 8 % Zinsen. Die DKB erhebt ebenfalls nur 7,9 % Zinsen.

 

Duldungspolitik bei Überziehungen fraglich

 

Die Streichung besonderer Überziehungszinsen für sich gesehen sagt noch nichts über die Kundenfreundlichkeit bei der Dispokreditgewährung aus.

Banken müssen eine Überschreitung des eingeräumten Kreditrahmens nicht tolerieren. Sie können darüber hinaus die Kriterien für die Gewährung von Überziehungen verschärfen, so dass weniger Kunden profitieren.

 

Überziehungen schaden Bankkunden

 

Entscheidend ist aber, dass eine permanente Überziehung ebenso wie das anhaltende Ausschöpfen des eingeräumten Dispolimits bonitätsschädlich ist.

Nicht umsonst verlangen Banken vor der Vergabe von Darlehen die Vorlage von Kontoauszügen der jüngsten Vergangenheit. Ständige Überziehungen oder die langfristige Ausnutzung von Dispolimits führen häufig zur Ablehnung des beantragten Darlehens.

Außerdem sind Kontoüberziehungen SCHUFA schädlich und wirken sich negativ auf den Score Wert aus. Ordnungsgemäß bediente Ratenkredite werden hingegen bei der Bonitätsprüfung eher positiv bewertet.

 

Rahmenkredit statt Überziehung

 

Bankkunden, die das eingeräumte Limit ständig ausschöpfen oder überschreiten und diese Verbindlichkeiten nicht aus eigenen Mitteln zurückführen können, sollten deshalb die Überziehung mit einem normalen Darlehen oder einem Rahmenkredit ablösen.

Beim gegenwärtigen Zinsniveau sind selbst Darlehen mit sehr langer Laufzeit und geringen Monatsraten noch deutlich günstiger als Dispositionskredite oder geduldete Überziehungen. Die Konditionen eines Rahmenkredits oder eines normalen Verbraucherdarlehens können also ohne große Schwierigkeiten an die persönliche Zahlungsfähigkeit angepasst werden.

Vor dem Hintergrund, welche Bonitätsprobleme Kontoüberziehungen mit sich bringen können, ist ein Bankenwechsel allein wegen des Verzichts auf Strafzinsen jedenfalls alles andere als empfehlenswert.