Kredite speziell für Studenten

Studentenkredite, auch Studienkredite genannt, waren lange Zeit nur aus dem, zumeist Englisch sprechenden, Ausland bekannt. Dort sind sie zur Finanzierung der relativ hohen Ausbildungskosten an Universitäten üblich. Viele junge Akademiker, die ihren Abschluss an einer renommierten Universität gemacht haben, starten mit hohen finanziellen Belastungen in ihr Berufsleben. In den USA sind es oft 60.000 Dollar oder sogar mehr.

In Deutschland spielten Studentenkredite lange Zeit keine wesentliche Rolle, sieht man einmal von BAföG Leistungen ab. Erst als einige Bundesländer damit begannen, nennenswerte Studiengebühren einzuführen wurden Studienkredite als besondere Kreditart ein Thema. Studenten mussten sich um die Finanzierung ihres Studiums kümmern und manche Banken entdeckten einen zusätzlichen Markt.

Unterdessen gibt es eine Reihe von Banken und Institutionen, die sich mit der Vergabe von Krediten für Studenten befassen. Zunächst soll geklärt werden, was die verschiedenen Darlehensanbieter unter Studentenkrediten verstehen und wie sie funktionieren. Dann werden die wichtigsten Finanzierungsformen kurz erklärt.

Was ist ein Studentenkredit?

Unter einem Studentenkredit versteht man ein Darlehen, mit dem wenigstens teilweise das Studium einschließlich der während der Zeit der Ausbildung anfallenden Lebenshaltungskosten finanziert wird. Vergeben wird er an Hochschulbesucher. Einige Angebote finanzieren außerdem die Ausbildung an Fachschulen.

Gegenüber normalen Ratenkrediten gibt es einige Besonderheiten. Studienkredite werden regelmäßig in Raten für einen vereinbarten Zeitraum, die Auszahlungsphase, ausgezahlt. Einmalzahlungen, etwa für Auslandsaufenthalte, sind selten. Die Auszahlungsphase muss nicht mit der Studiendauer übereinstimmen. Sie kann kürzere Zeitspannen, etwa lediglich die Abschlusssemester umfassen. Es gibt aber zeitliche Höchstgrenzen.

Tilgungsleistungen während der Auszahlungsphase entfallen. Einige Banken handhaben das anders. In diesen Fällen handelt es sich nicht um wirkliche Studienkredite, sondern um normale Ratenkredite, die häufig gegen zusätzliche Bürgschaften auch an Studenten vergeben werden. Allerdings können während der Auszahlungsphase Zinsen verlangt werden, die oft vom ausgezahlten Teilbetrag im Vorhinein abgezogen werden.

Die Rückzahlung des Darlehens beginnt in der Regel nicht sofort nach Ende des Studiums. Vielmehr wird sie je nach Kreditgeber 3 bis 24 Monate hinausgeschoben. Man spricht von der Ruhephase. Der Zahlungsaufschub soll jungen Akademikern die Möglichkeit geben, sich zunächst ohne Zahlungsbelastungen in das Berufsleben zu integrieren.

Nach Ende der Ruhephase muss das Darlehen getilgt werden. Diese Rückzahlungsphase kann je nach Kreditgeber bis zu 25 Jahre in Anspruch nehmen. Die Konditionen für die Tilgung ergeben sich aus dem mit dem Kreditinstitut abgeschlossenen Kreditvertrag.

Beim Studentenkredit gilt dasselbe wie bei jedem anderen Ratenkredit, auch wenn bestimmte Besonderheiten bestehen. Je schneller ein Darlehen getilgt wird, desto günstiger ist es. Wer es sich leisten kann, sollte für die Rückzahlung keine Ruhepause einlegen und versuchen, den Kredit so schnell wie möglich loszuwerden.

BAföG

Die Hälfte der monatlichen BAföG Leistungen werden als Kredit vergeben. Allerdings gibt es eine Deckelung. Mehr als 10.000 Euro müssen nicht zurückgezahlt werden. Die Rückzahlungspflicht entsteht erst einige Zeit nach Beendigung des Studiums. Sie kann gegen geringfügige Zinsen vorübergehend gestundet werden.

Sonst wird der BAföG Kredit zinslos gewährt. Allerdings gibt es einen Teilerlass bei vorzeitiger BaföG Rückzahlung. Diese Regelung haben viele Banken zum Anlass genommen, BAföG-Rückzahlungskredite anzubieten. Die gegenwärtige Niedrigzinsphase ist dabei sehr hilfreich. Der Trick ist, dass die Zinsen für das Darlehen weniger ausmachen als der gewährte Nachlass für die vorzeitige Rückführung des BAföG Darlehens. Wenn dies der Fall ist, gibt es einen „Arbitragegewinn“.

Das Vergleichsportal check24 hat eine umfassende Dokumentation zum Studentenkredit herausgegeben, die einen Sparrechner beinhaltet. Damit kann festgestellt werden, wie hoch der Nachlass bei bestimmten Rückzahlungsbeträgen jeweils ist.

BAföG Leistungen sollten am besten gleich zu Beginn des Studiums beantragt werden. Der Anspruch ist zeitlich begrenzt, sodass jedes absolvierte Fachsemester zählt. Ob zunächst auf Leistungen verzichtet wurde, spielt also keine Rolle für die zeitliche Dauer des Kredits. Zweitstudien werden nicht finanziert. Allerdings gilt ein Masterstudiengang als Fortführung des Bachelorstudiums.

KfW Studienkredit und Bildungskredit

Die KfW Darlehen werden gemeinhin als die besten Studentenkredite angesehen. Es gibt zwei Varianten – den Studentenkredit (174) und den Bildungskredit (173).

Darlehen können nicht bei der KfW direkt beantragt werden, sondern nur über einen Vertriebspartner, eine Bank oder ein Studentenwerk. Die Konditionen im Einzelnen werden auf den Webseiten der KfW genau beschrieben.

Die Förderbank stellt auch Merkblätter zur Verfügung. Für den Antrag erforderliche Formulare können direkt von den Webseiten heruntergeladen werden. Die wichtigsten Bedingungen sollen hier kurz skizziert werden.

Anders als beim BAföG empfiehlt es sich beim KfW Kredit nicht in jedem Fall, dass Darlehen schon ab dem ersten Semester in Anspruch zu nehmen. Vielmehr sollte die KfW Förderung nur für Zeiträume beantragt werden, in denen eine zusätzliche Geldquelle tatsächlich benötigt wird. Dies ist in der Regel zum Ende der Studienzeit der Fall.

Studienkredit

Mit der vom Einkommen der Eltern unabhängigen Förderung können Erststudium, Zweitstudium und postgraduale Studien sowie Promotionen finanziert werden. Gefördert werden bis zum 14 Semester. Förderungsberechtigt sind Personen zwischen 18 und 44 Jahren.

Junge Mathematikstudenten an einer Wandtafel
Mit einem Kredit das Studium finanzieren

Der mögliche Höchstbetrag beträgt 54.600 Euro. Monatlich können zwischen 100 und 650 Euro ausgezahlt werden. Bei einem postgraduale im Studium oder einer Promotion beträgt der Höchstbetrag 23.400 Euro. In diesen Fällen werden 6 Semester gefördert. Eine einmalige Auszahlung ist nicht möglich.

Studenten können den monatlichen Auszahlungsbetrag jährlich bis zum 15. März oder bis zum 15. September ihren Bedürfnissen anpassen. Die Karenzphase liegt zwischen 6 Monaten und höchstens 23 Monaten. Die Tilgung darf maximal 25 Jahre betragen und muss mit dem 67. Geburtstag abgeschlossen sein.

Die Bedingungen geben den Stand von November 2016 wieder. Der gegenwärtige effektive Jahreszins beträgt 4,02 %.

Bildungskredit

Der Bildungskredit kann zusätzlich zum BAföG und zum KfW Studienkredit in Anspruch genommen werden. Er wird einkommensunabhängig und elternunabhängig gewährt. Sicherheiten müssen nicht geboten werden.

Gefördert werden die Lebenshaltungskosten in der Schlussphase bestimmter Ausbildungsgänge: die Endphase der Ausbildung, eines Praktikums, eines Studiums sowie eines Zusatz-, Ergänzungs- oder Aufbaustudiums. Der Bildungskredit wird also nicht nur Studenten, sondern auch unter bestimmten Bedingungen Schülern ausgezahlt. Das Höchstalter beträgt 36 Jahre.

Die monatlichen Raten können 100, 200 oder 300 Euro betragen. Innerhalb eines Ausbildungsabschnitts werden bis zu 24 Monate, maximal also 7.200 Euro, gefördert. Innerhalb dieses Betrages kann ein Einmalbetrag bis zu 3.600 Euro als Abschlag ausgezahlt werden, sofern ein entsprechender zusätzlicher Bedarf etwa an Arbeitsmaterialien geltend gemacht wird.

DKB Studenten Bildungsfonds

Die DKB stellt einen ebenfalls empfehlenswerten Studentenkredit mit einem Gesamtbetrag in Höhe von 39.000 Euro zu Verfügung, der in monatlichen Raten bis zu 650 Euro ausgezahlt werden kann. Der effektive Jahreszins beträgt während der gesamten Laufzeit fest 6,49 %. Zusätzlich kann eine Einmalauszahlung in Höhe von 5.000 Euro beantragt werden.

Der Kredit wird über das kostenfreie DKB-Cash Girokonto abgewickelt. Finanziert werden Studiengänge an einer Hochschule oder an einer privaten Bildungseinrichtung. Ausgezahlt werden kann bis zum Ende der Regelstudienzeit zzgl. 2 Semester. Die Mindestlaufzeit beträgt 12 Monate. Mögliche Vorverbindlichkeiten dürfen nicht mehr als 10.000 Euro betragen. Sondertilgungen sind möglich.

Das Höchstalter bei Studienbeginn beträgt 30 Jahre. Nach einer einjährigen Ruhephase ist eine Rückzahlung in einem Zeitraum bis zu 20 Jahren möglich.

Weitere Anbieter

Neben den genannten Studentenkrediten gibt es noch weitere Möglichkeiten. Bildungseinrichtungen und Stiftungen stellen Stipendien zur Verfügung. Private Hochschulen finanzieren bisweilen die Gebühren vor.

Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken befassen sich ebenfalls mit der Finanzierung von Studenten. Oft geschieht das in Kooperation mit der KfW. Diese Banken vergeben keine eigenen Studentenkredite, sondern leiten den Antrag lediglich an die KfW weiter.

Interessant ist der db Studentenkredit der Deutschen Bank mit einem Höchstbetrag von 30.000 Euro. Gefördert werden höchstens 5 Jahre. Im 1. und im 2. Semester werden 200 Euro ausgezahlt, während die Teilzahlungen in höheren Semestern bis zu 800 Euro betragen können.

Die Zinssätze sind recht hoch. Sie betragen gegenwärtig während der Auszahlung 6 % effektiv und während der Rückzahlung 9 % effektiv. Die Rückzahlungsdauer ist auf 12 Jahre beschränkt.

Die VR-Bildungsfinanzierung der Genossenschaftsbanken dient nur zur Finanzierung von Studiengebühren bis zu 250 Euro monatlich mit einem Darlehenshöchstbetrag von 15.000 Euro. Der Zinssatz liegt zwischen 3,5 % und 5,5 % nominal jährlich. Die Konditionen sind offenbar bei den regionalen Kreditinstituten unterschiedlich.

Sparkassen vertreiben entweder den KfW Kredit oder vergeben eigene Kredite mit ähnlichen Bedingungen wie die Deutsche Bank. Die Sparkassen sind ebenfalls regional organisiert. Die höchste Rate pro Monat soll 800 Euro betragen.

Wird ein Studentenkredit direkt bei einer Sparkasse, einer Genossenschaftsbank oder einer privaten Bank beantragt (kein KfW Kredit), findet regelmäßig eine Bonitätsprüfung statt. Negative SCHUFA Eintragungen oder Vorverpflichtungen schließen eine Darlehensvergabe oft aus. Häufig werden Bürgschaften oder andere Sicherheiten verlangt.

Insoweit unterscheiden sich diese Darlehen deutlich vom KfW Kredit. SCHUFA Eintragungen spielen dort keine Rolle, es sei denn, es geht um Insolvenz.

Auf Sondertilgung achten

Studentenkredite ermöglichen es Studierenden, sich weniger auf einen Nebenjob, sondern mehr um ihr Studium zu kümmern. Dadurch können die Ergebnisse verbessert und Studienzeiten verkürzt werden.

Gleichzeitig aber startet man mit teilweise relativ hohen Verbindlichkeiten in das Berufsleben. Dadurch können Nachteile entstehen. Nicht nur ist der finanzielle Handlungsspielraum in der Rückzahlungsphase eingeschränkt, auch zukünftige weitere Kreditvergaben können negativ durch die Vorbelastung beeinflusst werden.

Deshalb ist die Beschränkung der Kreditsumme auf das notwendigste sinnvoll. Außerdem sollte versucht werden, den Darlehensbetrag so rasch wie möglich zurückzuführen. Das ist möglich, wenn der Kreditvertrag kostenfreie Sondertilgungen einräumt. Sondertilgungen sind unter anderem beim KfW Studienkredit und beim DKB Bildungsfonds möglich.