Kreditfinanzierung: Vorteile und Risiken von Fremdfinanzierungen

Kreditfinanzierung und Fremdfinanzierung sowie Eigenfinanzierung sind eigentlich betriebswirtschaftliche Begriffe, die im Rahmen von Unternehmensfinanzierungen verwandt werden. Das heißt aber nicht, dass sie im privaten Geschäftsverkehr keine Rolle spielen.

Ebenso wie Unternehmen müssen private Verbraucher die Vorteile und Nachteile der verschiedenen Finanzierungsformen gegeneinander abwägen, bevor sie sich für eine bestimmte Finanzierungsart entscheiden.

In diesem Artikel geht es um das Pro und Contra der Kreditfinanzierung für private Zwecke. Jede Darlehensaufnahme birgt bestimmte Risiken.

Deswegen lautet der gemeinhin erteilte Ratschlag, möglichst ohne Kredite auszukommen.

Doch nicht in allen Fällen können Verbraucher diesem Rat Folge leisten, und es gibt Fälle, in denen die Vorteile einer Kreditaufnahme deutlich schwerer wiegen, als die damit verbundenen Risiken.

Bevor wir uns der Frage zuwenden, wann eine Kreditfinanzierung sinnvoll ist und wann nicht, hier eine kurze Begriffsbestimmung.

Was bedeutet Kreditfinanzierung?

Kreditfinanzierung ist die zeitlich begrenzte Zuführung von Geldmitteln von außen, um Investitionen zu tätigen oder Konsumwünsche zu erfüllen.

Nach betriebswirtschaftlichen Kriterien handelt es sich immer um eine Fremdfinanzierung, die von Dritten zur Verfügung gestellt wird.

Im Gegensatz dazu bedeutet Eigenfinanzierung die Finanzierung von Vorhaben mit selbst erwirtschafteten Geldmitteln.

Im privaten Bereich sind die „Dritten“ regelmäßig Banken, Privatpersonen oder öffentlich-rechtliche Institutionen.

Im geschäftlichen Bereich können die Geldmittel auch von anderen Gläubigern wie Lieferanten oder Kunden stammen.

Rechtliche Grundlage der Geldvergabe bildet ein abgeschlossener Darlehensvertrag. In ihm müssen wenigstens die wichtigsten Eckpunkte der Kreditfinanzierung niedergelegt sein:

Die Vertragsparteien, die Höhe des Darlehens nebst Zinsen (effektiver Jahreszinssatz zuzüglich möglicher weiterer Kosten) und Laufzeit, alle Rückzahlungsmodalitäten sowie gegebenenfalls Bestimmungen über Zweckbindungen.

Kreditfinanzierungen werden nicht nur nach den Kreditgebern, sondern auch nach der Laufzeit unterschieden:

Kurzfristige Kredite: Laufzeiten bis zu einem Jahr.

Mittelfristige Kredite: Laufzeiten bis zu vier, manchmal fünf Jahren.

Langfristige Kredite: Laufzeiten länger als vier bzw. fünf Jahre.

Die Unterscheidung nach Laufzeiten hat Bedeutung sowohl für Kreditnehmer, als auch für Kreditgeber.

Ist die Laufzeit lang, steigt das Ausfallrisiko. Kreditgeber lassen sich das höhere Ausfallrisiko mit höheren Zinsen bezahlen. Langfristige Kredite sind deshalb oft verhältnismäßig teuer.

Besonders kurzfristige Kredite sind ebenfalls teuer. Beispiele sind Dispositionskredite oder Rahmenkredite, die praktisch keine vereinbarte Laufzeit haben. Gründe für die höheren Zinsen sind höhere Refinanzierungskosten und die unsicheren Gewinnerwartungen der Kreditgeber.

Aus Sicht der Kreditnehmer stellen langfristige Verbindlichkeiten das größte Risiko dar. Veränderungen der wirtschaftlichen und/oder persönlichen Verhältnisse (Arbeitsplatzverlust, Scheidung) können zu Schwierigkeiten bei der Rückzahlung führen.

Die Bundesbank gibt regelmäßig Statistiken über die Durchschnittszinsen bei Krediten an private Haushalte heraus, die die Risikoeinschätzung bei der Kreditvergabe deutlich werden lassen.

Im Oktober 2017 beispielsweise betrugen die effektiven Jahreszinssätze für kurzfristige Kredite 6,06 %, für mittelfristige Kredite bis fünf Jahre 4,30 % und für langfristige Kredite über fünf Jahre 6,81 %.

Vorteile einer Kreditfinanzierung

Größere Investitionen oder Anschaffungen können selten allein mit den laufenden Einkünften finanziert werden.

Wer auf eine Kreditfinanzierung verzichten möchte, der muss zunächst einmal Kapital ansparen.

Abgesehen davon, dass sich große Investitionen wie etwa eine Immobilie auf absehbare Zeit so überhaupt nicht finanzieren lassen, wird in der Ansparphase Kapital gebunden und Liquidität entzogen, ohne dass ein Gegenwert bereits vorhanden ist.

Beispiel: In fünf Jahren wird ein neues Auto benötigt, das ungefähr 20.000 Euro kosten soll. Zur Finanzierung werden monatlich 300 Euro zurückgelegt und regelmäßig in Tagesgeld angelegt. Am Ende stehen dann die nötigen Mittel für die Autobeschaffung zur Verfügung.

Allerdings stehen auch monatlich 300 Euro weniger für die Bestreitung des Lebensunterhalts oder für den Vermögensaufbau zur Verfügung, ohne dass gleichzeitig ein Vermögenswert vorhanden ist.

Das Auto wird nicht gleichzeitig mit der Anschaffung durch Kredit, sondern vorzeitig mit Eigenmitteln finanziert. Rein wirtschaftlich betrachtet ist dies bei großen Investitionen nicht unbedingt vernünftig.

Sinnvoller ist es meistens, Finanzierungskosten wenigstens teilweise über die normale Nutzungsdauer einer Investition zu strecken. So kann von Inflationsverlusten profitiert werden.

Beispiel: Es wird ein endfälliges Darlehen in Höhe von 100.000 Euro aufgenommen. Die jährliche Inflationsrate beträgt 2 %. Nach dem ersten Jahr ist die Verbindlichkeit nur noch 98.000 Euro „Wert“, allein durch den Inflationsverlust.

Kreditfinanzierungen geben zudem ein hohes Maß an Flexibilität. Auch größere Anschaffungen oder Investitionen lassen sich nicht immer vorausplanen.

Wird plötzlich ein neues Auto benötigt, weil das alte Fahrzeug nicht mehr reparaturfähig ist, kann die Neuanschaffung nur mithilfe eines Kredits finanziert werden, wenn die erforderlichen Eigenmittel aktuell nicht zur Verfügung stehen.

Ein weiterer Vorteil ist der Leverage Effekt von Fremdfinanzierungen. Damit wird die Hebelwirkung von Fremdkapital auf die Eigenkapitalrentabilität beschrieben.

Anders ausgedrückt: durch den Einsatz von Fremdkapital als Ersatz für Eigenkapital kann die Eigenkapitalrendite erhöht werden.

Der Leverage Effekt ist in erster Linie für Unternehmen und für professionelle Investoren in Finanzprodukte interessant. Im Prinzip kann er aber natürlich auch privaten Kreditnehmern oder Kapitalanlegern zugute kommen.

Voraussetzung ist, dass Investitionen kreditfinanziert werden, die Rendite abwerfen. Diese Rendite muss höher ausfallen, als die Kreditkosten.

Beispiel:

100.000 Euro werden in Wertpapiere mit einer Verzinsung in Höhe von 10 % angelegt.

Die Eigenkapitalrendite errechnet sich aus der Summe der Zinserträge dividiert durch das angelegte Eigenkapital.

Die Eigenkapitalrendite entspricht der Verzinsung, nämlich 10 %, wenn die Wertpapiere allein aus eigenen Mitteln finanziert werden.

Anders sieht es aus, sofern die Wertpapiere zu 50 % mit Eigenmitteln und zu 50 % mit Fremdmitteln angeschafft werden. Dabei soll der effektive Jahreszins für die Fremdmittel 5 % betragen.

Auch in diesem Fall erwirtschaften die mischfinanzierten Wertpapiere 10 % oder 10.000 Euro jährlich.

Andererseits entstehen Schuldzinsen in Höhe von 2.500 Euro, die den Ertrag entsprechend schmälern. Der Gewinn beträgt jetzt nur noch 7.500 Euro.

Dieser geringere Ertrag wird aber mit nur der Hälfte des Eigenkapitals erwirtschaftet. Es ergibt sich folgende Rechnung:

7.500 Euro / 50.000 Euro = 15 % Eigenkapitalrendite.

Durch die Verwendung von Fremdkapital hat sich in unserem Beispiel die Eigenkapitalrendite von 10 % auf 15 % erhöht.

Der Leverage Effekt ist ein Erfolgsgeheimnis unter vielen des Wertpapier-Gurus Warren Buffett. Der erfolgreiche Investor kauft unterbewertete Qualitätsaktien teilweise auf Kredit. Dazu nimmt er kostengünstige Darlehen bei einem seiner Unternehmen auf.

Der Leverage Effekt funktioniert selbstverständlich nur, wenn die Renditen der mit Krediten finanzierten Aktien auf längere Sicht höher sind, als die Schuldzinsen.

Warren Buffett hat das Wissen und die Instrumentarien, genau das sicherzustellen. Privatanleger verfügen in der Regel weder über das eine noch über das andere. Deswegen ist bei Wertpapierkäufen auf Kredit größte Vorsicht geboten.

Verbraucher können am ehesten vom Leverage Effekt profitieren, wenn sie eine Immobilie günstig erwerben können, die lukrative Mieteinnahmen verspricht.

Risiken einer Fremdfinanzierung durch Kredite

Sich mit der Kreditaufnahme finanziell zu überheben, das ist das Hauptrisiko der Kreditfinanzierung.

Dieses Risiko besteht vor allem bei langfristigen Darlehen, weil sich die Entwicklung der wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnisse des Kreditnehmers nicht immer sicher vorher sehen lassen.

Ebenso wie beim Ansparen, wird durch die regelmäßigen Zins- und Tilgungsleistungen Kapital gebunden, und es wird die Liquidität eingeschränkt. Man kann diesen Umstand als Nachteil ansehen.

Müssen neben einer Lohnabtretung weitere Sicherheiten erbracht werden, wird ebenfalls Kapital gebunden.

Beispiel: Wertpapierbestände oder Kapitallebensversicherungen werden als Pfand gegeben. Kreditnehmer können über ihr Kapital nicht mehr frei verfügen.

Ein weiterer Nachteil sind die Kosten, genauer gesagt, die aufzubringenden effektiven Zinsen.

Zinsbelastungen können aber minimiert werden. Privatpersonen sind dazu vor allem im Rahmen von Immobiliendarlehen in der Lage.

Beispiele: der Einsatz von Wohnriester oder die Fördermaßnahmen der KfW Bank bzw. die Verwendung länderspezifischer Eigenheimförderungen.

Schließlich kann eine Zweckbindung hinderlich sein. Wird ein zweckgebundener Kredit aufgenommen, kann der Kreditnehmer über den Darlehensbetrag nicht mehr frei verfügen. Manchmal, beispielsweise bei Wohnkrediten, müssen sogar Verwendungsnachweise erbracht werden.

Tipps zur Kreditfinanzierung

Beschränken Sie die Kreditaufnahme auf ein Mindestmaß. Setzen Sie Eigenmittel ein, es sei denn, Sie können mit einer Fremdfinanzierung Geld verdienen.

Beispiel: Eine Kreditaufnahme lohnt sich, wenn die Renditen Ihrer Kapitalanlagen höher sind als die Kreditkosten.

Vermeiden Sie Kredite für Konsumausgaben. Kredite dienen zur Fremdfinanzierung von Investitionen oder Anschaffungen.

Wählen Sie eine vernünftige Laufzeit. Die Laufzeit sollte durch die prognostizierte Nutzungsdauer des fremdfinanzierten Gegenstandes begrenzt sein. Je kürzer die Laufzeit, desto billiger ist der Kredit.

Achten Sie nicht nur auf günstige Zinssätze, sondern auch auf flexible Sonderkonditionen wie kostenfreie Sondertilgungen oder die Möglichkeit der kostenfreien Gesamtablösung.

Schließen Sie keine Zusatzverträge wie Restschuldversicherungen oder Verträge über andere Finanzprodukte im Zusammenhang mit Krediten ab.

Und vor allem: Vergleichen Sie verschiedene Angebote. Mit Vergleichsrechnern aus dem Internet können in 30 Minuten die Angebote aller relevanten Direktbanken verglichen werden. Unsere Empfehlung lautet, nutzen Sie den Kreditvergleich von smava.