Privatleasing: Leasingfaktor und andere Vergleichskennzahlen

Das Leasinggeschäft läuft gut – mit Geschäftskunden ebenso wie mit Privatpersonen. Und Leasingverträge kann man praktisch über alles abschließen: vom Computer über Haushaltsgeräte bis zu teuren Klavieren oder Luxusautos.

Die geringeren Leasingraten suggerieren ein günstiges Schnäppchen. Für wenige 100 Euro im Monat einen Pkw der gehobenen Mittelklasse fahren, das hört sich nach einem attraktiven Angebot an.

Privatleasing ist vor allem beim Autokauf populär. Leasingangebote gibt es für neue Fahrzeuge, Jahreswagen und im Gebrauchtwagenhandel.

Während Autobanken über Leasingangebote vornehmlich ihre neuen Modelle vermarkten, stellen unabhängige Leasinganbieter, wie beispielsweise Carcredit, Angebote auch für Gebrauchtfahrzeuge zur Verfügung.

Leasingverträge können direkt beim Händler abgeschlossen werden. Die Autobank oder eine unabhängige Drittbank kauft das Kraftfahrzeug und verleast es an den Kunden des Händlers.

Eine größere Auswahl jedoch findet man im Internet. Dienstleister wie Sixt oder LeasingMarkt.de bieten Finanzierungen mit Leasingverträgen an oder vermitteln sie.

Zwei Varianten beim Privatleasing

Beim Leasing für Privatpersonen sind Kilometerverträge oder Restwertverträge mit einer Kaufoption üblich. Meistens werden Kilometerverträge abgeschlossen.

Beim Kilometervertrag wird eine bestimmte jährliche Kilometerleistung fest vereinbart. In den voreingestellten online Angeboten sind es häufig 10.000 km Fahrleistung. Wird mehr gefahren, muss nachgezahlt werden.

Bleibt der Leasingnehmer hinter der vereinbarten Kilometerleistung zurück, hat er meistens Anspruch auf Erstattungsleistungen.

Beim Restwertleasing wird ein bestimmter Marktwert festgelegt, den das verleaste Fahrzeug am Ende der Vertragslaufzeit haben soll. Zu dem vereinbarten Restwert versucht die Leasing Bank, das Fahrzeug zu verkaufen.

Bleibt der Kaufpreis unterhalb des Restwertes, sehen manche Restwertverträge vor, dass der Leasingnehmer die Differenz bezahlen muss.

Gleiches gilt, wenn der Restwert wegen übermäßiger Nutzung des Fahrzeugs durch den Leasingnehmer nicht erreicht wird.

In einigen Verträgen über Restwertleasing wird dem Leasingnehmer eine Kaufoption zum Restwert eingeräumt. Ein Kaufzwang hingegen ist unüblich.

Fallen beim Privatleasing vermeiden

Beim Kilometervertrag wie beim Restwertleasing ist der Zustand des Kraftfahrzeuges häufig ein Streitpunkt.

Sind Kratzer im Lack, Flecke auf den Sitzen oder kleine Beulen noch unter üblicher Nutzung einzuordnen oder handelt es sich um einen übermäßigen Gebrauch, den der Leasingnehmer auszugleichen hat?

Wie sieht es bei einem Unfall während der Laufzeit des Leasingvertrages aus?

Häufig entscheiden Gutachter solche Streitpunkte. Deshalb ist es wichtig, dass der Leasingnehmer ein Mitspracherecht bei der Auswahl des Gutachters hat.

Ein Mitspracherecht ist besonders bei Restwertleasingverträgen wichtig. Wird der Restwert zu Vertragsbeginn falsch kalkuliert, kann er über dem erzielbaren Marktpreises bei Vertragsende liegen.

Ohne Hilfe eines objektiven Gutachters müsste der Leasingnehmer in solchen Fällen eventuell zuzahlen, obwohl ein übermäßiger Gebrauch nicht vorhanden ist

Sind durch übermäßigen Gebrauch Schäden am Fahrzeug entstanden, muss der Leasingnehmer keinesfalls die gesamten Reparaturkosten übernehmen. Vielmehr hat er lediglich die Wertminderung zu ersetzen und das ohne Mehrwertsteuer.

Bei Kilometerverträgen geht es um die Frage der Mehrkilometer oder Minderkilometer. Leasingnehmer haben Mehrkilometer immer zu erstatten. In der Regel erhält der Leasingnehmer für Minderkilometer weniger Geld als er für die Mehrkilometer bezahlen muss.

Wichtig ist, dass der Leasingvertrag darüber hinaus die Erstattung von Minderkilometern mit wenigstens einem angemessenen Betrag vorsieht.

Mehrkilometer sind bei Verträgen über Kilometerleasing eine teure Angelegenheit. Darüber dürfen die Pfennigbeträge für einen gefahrenen Mehrkilometer nicht hinwegtäuschen.

Auf LeasingMarkt.de wird beispielsweise ein Kilometervertrag für einen Mercedes-Benz 200 Neues Modell – Bestellfahrzeug – AMG Line angeboten.

Ein Mehrkilometer kostet dem Leasingnehmer 5,65 Cent, für einen Minderkilometer erhält er 3,76 Cent.

Werden nur 1000 km mehr gefahren, muss der Leasingnehmer 565 Euro zusätzlich bezahlen. Fährt er 1000 km weniger, erhält er hingegen nur 376 Euro.

Die mit dem Fahrzeugleasing zusammenhängenden Kosten spiegeln sich nicht allein in der Leasingrate wider.

Hinzu kommen Kosten für die Überführung, für Wartungsverträge, für die Fahrzeugversicherung und eventuell noch andere Nebenkosten.

Überführungskosten können in einer Leasingrate enthalten sein oder extra erhoben werden.

Häufig wird versucht, Leasingnehmern teure Wartungsverträge oder Vollkaskoversicherungen unterzujubeln.

Angebote von unabhängigen Versicherern sind oft günstiger und mit einem besseren Versicherungsschutz versehen.

Besondere Probleme können entstehen, wenn es in den ersten Monaten nach Abschluss eines Leasingvertrages zu einem Unfall mit Totalschaden kommt.

Normale Vollkaskoversicherungen ersetzen bei Totalschäden nur den Wiederbeschaffungswert. Die Leasingbank wird aber die Differenz zwischen gezahlten Leasingraten und dem Anschaffungspreis verlangen.

Sind im Zeitpunkt des Unfalls erst wenige Raten gezahlt worden, reicht dieser Betrag zusammen mit dem Ersatz des Wiederbeschaffungswertes oft nicht aus. Die Differenz muss der Leasingnehmer aus eigener Tasche aufbringen.

Mit einer GAP-Versicherung können Leasingnehmer diesem Risiko begegnen. Eine solche Versicherung ist regelmäßig günstiger als eine besondere Vollkaskoversicherung, die in den ersten Monaten im Schadensfall den Anschaffungspreis ersetzt.

Leasingfaktor: günstige Leasingangebote erkennen

Der Leasingfaktor ist eine Kennzahl, mit der verschiedene Privatleasing-Angebote, allerdings nur überschlägig, verglichen werden können.

Leasingnehmer können eine einfache Formel verwenden, durch die allerdings nicht alle Kostenfaktoren erfasst werden.

Die Formel lautet ohne Sonderzahlungen:

Leasingfaktor = Leasingrate : Listenpreis x 100

Werden Sonderzahlungen geleistet, ist die Formel etwas komplizierter:

Leasingfaktor = (Leasingraten + [Sonderzahlung : Laufzeit] : Listenpreis) x 100

Beispiele:

Über einen Mercedes-Benz A 250 DCT, fünf Türen, 165 KW, Automatik, bleifrei wird ein Kilometerleasingvertrag abgeschlossen.

Der Grundlistenpreis und der vereinbarte Anschaffungspreis beläuft sich auf 36.461,60 Euro.

Die Laufzeit beträgt 48 Monate, vereinbart werden 15.000 km jährlich. Die Leasingrate soll 401,63 Euro betragen.

Sonderzahlungen werden nicht geleistet:

Leasingfaktor = (401,63 : 36.461,60) x 100 = 1,10151

Der Leasingfaktor beträgt also 1,10151.

Die Sonderzahlung beträgt 20 % des Anschaffungspreises (7.292,32 Euro). Die Leasingrate reduziert sich deshalb auf 237,20 Euro.

Leasingfaktor = (237,20 + [7.292,32 : 48] : 36.461,60) x 100 = 1,067214

Der Leasingfaktor beträgt hier 1,067214.

Mit dem Leasingfaktor grob vergleichen lassen sich nur Angebote mit gleichen Merkmalen:

  • identische Fahrzeugmodelle,
  • gleiche Laufzeiten,
  • dieselben Listenpreise,
  • identische Komponenten innerhalb der Leasingrate,
  • gegebenenfalls Sonderzahlungen in gleicher Höhe.

Der Vergleich hinkt, wenn nicht alle diese Merkmale identisch sind. Beispielsweise können die Überführungskosten in der Leasingrate enthalten sein oder extra berechnet werden.

Die mit unterschiedlich berechneten Leasingraten ermittelten Leasingfaktoren lassen sich natürlich nur bedingt miteinander vergleichen.

Mit dem Leasingfaktor errechnet man das prozentuale Verhältnis der einzelnen Leasingrate zum Anschaffungswert. Oder anders ausgedrückt: Wie viel vom Autowert erhalte ich mit einem Euro Leasingrate?

Beispiele:

  1. Der Leasingfaktor beträgt 1,0. Mit 1,0 Euro der monatlichen Leasingrate kauft man sich 1,0 Euro des Autos bezogen auf den Anschaffungspreis.
  2. Der Leasingfaktor beträgt 0,7. Für 1,0 Euro der monatlichen Leasingrate erhält man 1,0 : 0,7 = 1,4286 Euro vom Anschaffungspreis.
  3. Der Leasingfaktor beträgt 1,1. Für 1,0 Euro der monatlichen Leasingrate erhält man 1,0 : 1,1 = 0,9091 Euro vom Anschaffungspreis.

Mehr als eine grobe Einschätzung gibt der Leasingfaktor jedoch nicht her.

Für einen genauen Vergleich müsste ein Gesamtkostenfaktor ermittelt werden, der alle nicht direkt in den Leasingraten berücksichtigten Kosten umfasst: Wartungspakete, Überführungskosten, Versicherungsprämien, Restwert und anderes.

Die Berechnung des Gesamtkostenfaktors findet genauso statt wie beim Leasingsfaktor. Nur müssen die Zusatzkosten zur Leasingrate addiert werden. Dazu müssen die Kosten auf Monatsbasis umgerechnet werden.

Beispiel: Bei einem Vertrag ohne Sonderzahlung mit einer Laufzeit von 48 Monaten und einer Leasingrate von 400 Euro betragen die Überführungskosten 2.400 Euro. Der Leasingrate müssen zur Berechnung der Gesamtkosten 50 Euro hinzugerechnet werden.

Mit welchem Leasingfaktor ist ein Leasingangebot für Privatpersonen günstig?

Vorteilhaft ist ein Angebot mit einem Leasingfaktor kleiner als 1,3. Ein überdurchschnittlich gutes Angebot kann man ab einem Leasingfaktor von 1,0 oder kleiner annehmen.

Privatleasing sinnvoll?

Wirtschaftlich rechnen sich Leasingverträge für Privatpersonen in der Regel nicht unbedingt. Steuerrechtliche Vorteile, wie sie Gewerbetreibende genießen, gibt es beim Privatleasing nicht.

Für Privatpersonen ist häufig der gute alte Ratenkredit unter Kostengesichtspunkten die beste Lösung. Durch regelmäßige Tilgungsleistungen verringert sich die Zinsbelastung beständig und am Ende der Laufzeit geht das Kraftfahrzeug in das Eigentum des Käufers über.

Auseinandersetzungen um den Restwert oder um den Zustand des Fahrzeuges müssen nicht befürchtet werden. Der Abschluss zusätzlicher Versicherungen (GAP Versicherung zum Beispiel) oder von Wartungsverträgen ist nicht erforderlich.

Häufig lohnt sich der Kreditabschluss bei einer herstellerunabhängigen Bank selbst mit höheren Zinsen, weil dann höhere Rabatte auf den Listenpreis ausgehandelt werden können.

Allerdings kann beim Fahrzeugleasing ähnlich vorgegangen werden. Beim Händler wird die Leasingrate auf den Listenpreis berechnet.

Angenommen der Listenpreis ist 40.000 Euro. Dann orientieren sich die in der Leasingrate enthaltenen effektiven Jahreszinsen an diesem Listenpreis.

Die Vertragsbank des Händlers wird aber möglicherweise Barzahlerrabatte bekommen und beispielsweise nur 35.000 Euro an den Händler auszahlen.

Der Leasingnehmer hat also praktisch eine versteckte Sonderzahlung in Höhe von 5.000 Euro geleistet.

Wie bei Autokrediten kann der Leasingnehmer aber stattdessen einen Barzahlerrabatt aushandeln und einen Leasingvertrag mit einer unabhängigen Leasingbank abschließen.

Grundlage für die Berechnung der Leasingrate wären dann nicht 40.000 Euro, sondern nur 35.000 Euro.

Selbst wenn der in der Leasingrate enthaltene effektive Zinssatz bei der unabhängigen Leasingbank höher ist als bei der Händlerbank, kann sich eine Leasingfinanzierung über eine Drittbank lohnen.

Privatleasing kann sich lohnen, wenn nur geringe liquide Mittel vorhanden sind, sich diese Situation aber bei Ablauf des Leasingvertrags ändert. Der Leasingnehmer kann sich eine Kaufoption einräumen lassen und hat die Möglichkeit, das Fahrzeug zu erwerben.

Leasing für Privatpersonen ist darüber hinaus interessant für Personen, die alle paar Jahre ein neues Auto möchten. Günstig sind Leasingverträge über Jahreswagen oder Lagerfahrzeuge mit Tageszulassung.