Was ist ein guter Schufa-Score? Reicht meine Ratingstufe für das gewünschte Darlehen aus? Viele Kreditinteressenten stellen sich diese Fragen, bevor sie bei einer Bank einen Kredit anfragen.

In diesem Beitrag finden Sie Hinweise zur Beurteilung Ihrer Score-Werte.

Anstehende Veränderungen bei der Schufa

Wohl vor dem Hintergrund einer Reihe von Urteilen, die sich kritisch mit der Schufa und ihrer Geschäftspraxis auseinandersetzen, bemüht sich die Wirtschaftsauskunftei nun um mehr Transparenz.

Einige Maßnahmen hat die Schufa schon umgesetzt, andere sind in der Planung.

Bonify ist ein Unternehmen der Schufa: mit der App können Sie kostenlos Ihren Basisscore abrufen und erhalten auch weitere Informationen zur Bonität.

Seit 2024 können Privatpersonen in der Bonify-App zusätzlich zum Basisscore auch negative Schufa-Einträge einsehen, sofern welche vorhanden sind. Dazu zählen offene und erledigte Zahlungsausfälle. Geplant ist noch für dieses Jahr auch die Anzeige von Positivdaten.

>> Zur kostenlosen Bonify-App

Schufa-Score: Für das vierte Quartal 2024 ist ein neues Score-Verfahren geplant. Es soll nur noch einen Score geben, der für Unternehmen und Privatkunden gleich ist. Basisscore und Branchenscores sollen entfallen.

Persönliches Datencockpit: Ab 2025 können Verbraucher mit dem Datencockpit ihren persönlichen Score simulieren. Dazu werden die relevanten Daten eingegeben.

Zum Beispiel kann festgestellt werden, wie ein weiterer Ratenkredit sich auf den Score auswirken würde oder wie sich der Score verändert, wenn einige oder mehrere Kreditkarten gekündigt werden.

Score-Simulator: Mit dem Score-Simulator können Verbraucher schon heute ihre Bonität gut einschätzen. Voraussetzung ist, dass 7 Fragen wahrheitsgemäß beantwortet werden. Neben einem Schätzwert erklärt die Schufa, wie sich einzelne Geschäftsvorfälle und Merkmale auf den Score auswirken können.

Kreditwürdigkeit und Scorewerte

Vor jeder Kreditaufnahme sind Banken unabhängig vom gewünschten Kreditbetrag verpflichtet, eine Bonitätsprüfung durchzuführen. Die Prüfung umfasst eine Reihe von Fakten. Hauptsächlich geht es aber um zwei Sachverhalte:

Kann sich der Kunde den Kredit leisten? Kreditinstitute prüfen, ob das nach Abzug aller Kosten frei verfügbare Einkommen zur Rückführung des Darlehens ausreichen wird. Dazu werden Unterlagen über Einkommen, Ausgaben und Verbindlichkeiten ausgewertet.

Ist der Kunde zuverlässig? Um die Erfüllungswahrscheinlichkeit einzuschätzen, beantragen Banken Auskünfte bei Wirtschaftsauskunfteien wie der Schufa. Zunächst geht es darum, ob es Eintragungen zu Unregelmäßigkeiten bei der Erfüllung von Verträgen gibt. Auf Wunsch übermittelt die Schufa außerdem den passenden Branchenscore.

Scores spielen eine Rolle bei der Kreditvergabe. Sie sind aber nicht allein entscheidend. Auch mit einem schwachen Score ist ein Darlehen möglich, wenn alle anderen Voraussetzungen vorliegen.

Schufa-Score kurz erklärt

Der Schufa-Score ist eine prognostische Beurteilung über die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Kreditinteressent seine Verpflichtungen erfüllen wird.

Zur Ermittlung der Scores wenden die Schufa und andere Wirtschaftsauskunfteien bestimmte statistische Methoden an.

Wie genau dies geschieht und welche Daten in die Berechnung einfließen, das dürfen die Wirtschaftsauskunfteien nach der bisherigen Rechtsprechung deutscher Gerichte weitgehend für sich behalten und tun es natürlich auch.

Klar ist aber, dass nur Daten verwendet werden können, die die Schufa tatsächlich speichert.

Das sind Daten über die Anzahl wirtschaftlich relevanter Verträge, über Zahlungsverhalten und über persönliche Verhältnisse, gleichgültig, ob sie gut oder schlecht sind. Ausgewertet werden auch Daten aus amtlichen Verzeichnissen.

Keine Rolle spielen die Einkommens- und Vermögensverhältnisse von Verbrauchern. Informationen darüber hat die Schufa nicht.

  • Aus den zur Verfügung stehenden Daten über einen Verbraucher wird nach einem bestimmten Verfahren ein Profil gebildet.
  • Dieses Profil wird einer Vergleichsgruppe mit denselben Merkmalen gegenübergestellt, für die ein Kreditausfallrisiko bereits festgestellt wurde.
  • Ein bestimmter Verbraucher wird also nicht individuell beurteilt, sondern als Teil einer Gruppe mit denselben Merkmalen.

Einfaches Beispiel für die Scoreermittlung

Das vereinfachte Beispiel dient zur Veranschaulichung, hat aber keinen Praxisbezug. Die tatsächliche Scoreermittlung ist deutlich komplizierter.

Sie sind 40 Jahre alt, alleinstehend, angestellt, haben zwei Girokonten, eine Kreditkarte, keine laufenden Kredite und keine gelöschten oder bestehenden Negativmerkmale. Sie pflegen langfristige Geschäftsbeziehungen zu Banken und sind in den vergangenen Jahren nicht umgezogen.

Für die Vergleichsgruppe mit genau diesen Merkmalen wird nach einem bestimmten mathematischen Verfahren eine Erfüllungswahrscheinlichkeit von zum Beispiel 97,5 % angenommen.

Für Sie bedeutet dies die Einstufung in dieselbe Risikoklasse mit einer Erfüllungswahrscheinlichkeit von 97,5 %.

Die Schufa ist besonders gut in der Ermittlung von Scorewerten, weil sie praktisch über Datensätze von allen Verbrauchern in Deutschland verfügt, die jemals wirtschaftlich relevante Verträge abgeschlossen haben.

Es können deshalb große Vergleichsgruppen gebildet werden, wodurch eine hohe statistische Genauigkeit gewährleistet ist.

Eine Chance auf einen guten Schufa-Score besteht nach den statistischen Methoden der Wirtschaftsauskunftei deshalb unter folgenden Voraussetzungen:

  • Die Schufa muss über möglichst viele Daten einer Person verfügen. Ist der Verbraucher der Schufa unbekannt, kann kein Score ermittelt werden.
  • Die Daten sollten, soweit sie beeinflussbar sind, positiv oder wenigstens neutral sein (keine Zahlungsstörungen, übersichtliche Anzahl an Krediten und Konten).
  • Die bei der Schufa gespeicherten Informationen müssen richtig sein. Ergeben Selbstauskünfte falsche Daten, sollten sie so schnell wie möglich berichtigt werden.

Was ist ein guter Schufa-Basisscore?

Der Basisscore misst die allgemeine Bonität eines Verbrauchers. Er dient der Selbsteinschätzung und wird nicht an Vertragspartner der Schufa weitergegeben. Banken kennen den Basisscore also nicht.

Banken könnten im Rahmen von Kreditgeschäften und anderen Bankgeschäften auch nur wenig mit dem Basisscore, so wie er gegenwärtig ermittelt wird, anfangen.

Denn dieser Wert sagt nur etwas zur allgemeinen Vertrauenswürdigkeit einer Person im geschäftlichen Verkehr und nichts zu konkreten Kreditausfallrisiken aus.

Der Basisscore wird einmal vierteljährlich auf der Grundlage der gespeicherten Daten ermittelt. Die Werte liegen zwischen 0 % und 100 %.

Der höchste Wert, 100 %, kann aber niemals erreicht werden, weil immer wenigstens das Todesfallrisiko besteht.

Sie erhalten den Basisscore, wenn Sie eine kostenlose Datenkopie beantragen oder die kostenlose *App von Bonify nutzen. In der Datenkopie sind außerdem alle über Sie gespeicherten Daten enthalten. Dazu gehören auch Daten über getätigte Anfragen von Vertragspartnern der Schufa.

Scorewert

Scoreklasse

Anteil

Ab 97,5 %

hervorragend

74,2 % aller Personen

93,54 % - 97,21 %

gut

12,6 % aller Personen

85,89 % - 93,53 %

akzeptabel

3,5 % aller Personen

30,00 % - 85,88 %

ausreichend

0,8 % aller Personen

Bis 29,99 %

ungenügend

8,9 % aller Personen

Maßnahmen zur Verbesserung des Basisscores

Mit einem Basisscore der Scoreklasse „gut“ können Sie noch zufrieden sein. Liegt der Wert darunter, besteht Nachbesserungsbedarf.

Allerdings ist es nicht ganz einfach, den Basisscore zu verbessern. Ein Problem ist schon, dass dieser Score-Wert nur vierteljährlich erhoben wird.

Zudem fließen in die Berechnung aller Wahrscheinlichkeit nach Daten ein, auf die Sie überhaupt keinen Einfluss haben oder die Sie aus nachvollziehbaren Gründen nicht beeinflussen wollen.

Ihr Alter können Sie nicht beeinflussen und Sie werden auf einen beruflich bedingten Umzug nicht verzichten wollen, nur um den Basisscore zu verbessern.

  • Negative Eintragungen wegen Zahlungsausfall können durch Bezahlung der Forderung relativ schnell in einen erledigten, aber bisher nicht gelöschten Eintrag umgewandelt werden.
  • Sind Sie in der Lage, die offene Forderung zu begleichen, wird sich Ihr Basisscore von einem ungenügenden Wert in einen etwas besseren verwandeln.
  • Empfehlenswert ist die Zusammenlegung mehrerer Kredite in einen Kredit. Eine Vielzahl von Kleinkrediten und Ratenzahlungskäufen wirkt sich negativ aus.
  • Gelingt die Ablösung aus Eigenmitteln oder mit einem Umschuldungskredit, kann der Basisscore im nächsten Quartal verbessert werden.
  • Zu viele Girokonten und Kreditkarten können den Score ebenfalls negativ beeinflussen, vor allem, wenn die Finanzprodukte nicht genutzt werden. Die Beschränkung auf ein Girokonto mit einer Kreditkarte kann zu einer höheren Bonitätsstufe führen.

Schufa-Orientierungswert

Der Schufa-Orientierungswert ist Teil der kostenpflichtigen Schufa-Bonitätsauskunft. Dieser Wert wird tagesaktuell zum Zeitpunkt der Erstellung der Auskunft ermittelt. Es handelt sich um den gewichteten Mittelwert aus Branchenscores. Je geringer der Wert ist, desto besser ist die Erfüllungswahrscheinlichkeit.

was ist ein guter Schufascore: Orientierungswert

Die verschiedenen Branchenscores

Branchenscores berechnen die Ausfallwahrscheinlichkeit in Bezug auf ein konkretes Geschäft. Dem liegt folgender Gedanke zugrunde:

Die Erfüllungsbereitschaft der Verbraucher unterscheidet sich nach der Art der Geschäfte und auch danach, welchen Geschäftspartner sich Verbraucher aussuchen.

Beispiel:

Ein Verbraucher gerät vorübergehend in einen finanziellen Engpass. Monatliche Raten sind für einen kleinen Kredit und für einen Immobilienkredit aufzubringen. Mit dem Immobiliendarlehen hat der Verbraucher sein Eigenheim finanziert.

Das Geld für beide Verpflichtungen kann er nicht mehr aufbringen. Wirtschaftsauskunfteien gehen in solchen Fällen davon aus, dass dieser Verbraucher zunächst einmal Zahlungen für den Ratenkredit einstellen wird.

Er wird aber weiter versuchen, die Raten für den Immobilienkredit aufzubringen, weil er sonst damit rechnen muss, sein Eigenheim zu verlieren.

In Bezug auf den Immobilienkredit kann der Verbraucher eventuell einer anderen Bonitätsstufe zugeordnet werden als beim Ratenkredit.

Leider können wir nicht feststellen, ob die Branchenscores weiterhin aktuell sind, weil die Schufa die Veröffentlichung der Scorekarten auf ihrer Webseite offensichtlich eingestellt hat. Jedenfalls ist das der Stand vom April 2021.

Die Schufa unterscheidet unter anderem folgende Branchenscores:

  • Banken,
  • Sparkassen,
  • Genossenschaftsbanken,
  • Hypothekargeschäft,
  • Handel,
  • Versandhandel und E-Commerce,
  • Telekommunikationsunternehmen.

Der folgende Screenshot gibt den Branchenscore 3.0 für Banken wieder. 

Screenshot SCHUFA Bankenscore

SCHUFA Branchenscore für Banken

Der Branchenscore 3.0 für Sparkassen führt in dieselben Ratingstufen auf. Aber die Risikoquote sind unterschiedlich.

Hier der Screenshot:

Screenshot SCHUFA Sparkassenscore

SCHUFA Branchenscore für Sparkassen

Außerdem ermittelt die Schufa Branchenscores für die Berufsgruppen Freiberufler und Kleingewerbetreibende.

Hier der Screenshot vom Branchenscore für Kleingewerbetreibende:

Screenshot SCHUFA Score Kleingewerbetreibende

SCHUFA Branchenscore für Kleingewerbetreibende

Vergleichen Sie einmal die Risikoquoten in der Ratingstufe A.

In der gleichen Ratingstufe beträgt die Risikoquote bei Banken 0,8 %, bei Sparkassen 0,88 % und bei Kleingewerbetreibenden sogar 0,90 %.

Die Schufa geht also davon aus, dass das Ausfallrisiko bei Sparkassenkunden in der höchsten Ratingstufe etwas höher ist als bei Bankkunden.

Bei Kleingewerbetreibenden ist die Risikoquote am höchsten.

Unter anderem deshalb erhält diese Berufsgruppe im Vergleich zu anderen Berufen und sogar zu Freiberuflern tendenziell schlechtere Kreditkonditionen und hat es schwerer, überhaupt einen Kredit zu bekommen.

Was ist ein guter Branchenscore?

Alle Branchenscores verfügen über zwölf Ratingstufen von A bis M.

Einige Scoretabellen haben die zusätzlichen Ratingstufen N bis P. Unter diesen Stufen werden die Risikoquoten für Personen mit offenen Negativmerkmalen dargestellt.

Ein Beispiel ist der Branchenscore für Bankkunden.

Nach allerdings älteren Erhebungen unterliegen circa 50 % aller bei der Schufa registrierten Verbraucher den Ratingstufen A bis C.

20 % erreichen die Ratingstufe A mit einer Risikoquote von 0,80 % beim Bankenscore und 0,88 % beim Sparkassen Score.

Mit der Ratingstufe A und B haben Sie einen ausgezeichneten bis guten Branchenscore. Die Ratingstufe C kann als befriedigend angesehen werden. Und die Ratingstufe D reicht noch aus.

Eine andere Frage ist, mit welcher Ratingstufe die Grenzbonität der Banken erreicht wird, sofern Banken eine solche Grenzbonität überhaupt festlegen.

Hierauf gibt es keine allgemeine Antwort. Banken ermitteln die Bonität der Kunden nach sehr verschiedenen Vergaberichtlinien und der Schufa-Score ist nur ein Element der Bonitätsprüfung.

Gegenwärtig (Juni 2024) ist unseres Erachtens nur schwer einzuschätzen, welchen Stellenwert Scores in der Zukunft bei der Kreditvergabe überhaupt haben werden.

Der EuGH hat Ende 2023 geurteilt, dass die Anwendung von Score-Werten zur alleinigen Bemessung von Kreditwürdigkeit unzulässig ist, weil es sich beim Scoring um eine verbotene automatisierte Entscheidung im Einzelfall handelt.

Es bleibt abzuwarten, ob und welche Auswirkungen diese Entscheidung auf Wirtschaftsauskunfteien wie die Schufa und auf die Kreditwirtschaft haben.

Offenbar ist die Transparenzoffensive der Schufa (siehe Kapitel über geplante Änderungen) eine Antwort auf Gerichtsentscheidungen, die sich kritisch mit dem Geschäftsmodell der Wirtschaftsauskunftei auseinandersetzen.

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Über den Autor

Andreas Lojewski

Nach langjähriger Tätigkeit als Anwalt in Deutschland und nebenbei in der Politik gründete Andreas Lojewski die Websites kreditforum.net und onlinekredit.tips. Ziel dieser Websites ist es, solide über Kredite und Finanzen zu informieren. Andreas Lojewski lebt seit Anfang der 2000er in Texas/USA, erst in New Braunfels und jetzt in Harlingen.