Wie funktioniert eine Kreditkarte? Wissenswertes und Tipps

Mit einer Kreditkarte kann man Waren und Dienstleistungen unbürokratisch bezahlen, ohne dass Bargeld erforderlich ist. Sie ist weltweit einsetzbar und kann auch im Ausland genutzt werden, um Bargeld an Automaten abzuheben.

In vielen Staaten haben Kreditkarten und digitale Zahlungsmethoden das Bezahlen mit Bargeld in den Hintergrund gedrängt. Wer sich viel im Ausland aufhält, der erkennt schnell, dass er ohne Kreditkarte kaum auskommt.

In Deutschland sind Kreditkarten weniger populär. Nur knapp 40 % der Deutschen nutzen eine Kreditkarte. Aber die Tendenz ist steigend.

Wenn Sie zum ersten Mal eine Kreditkarte beantragen, haben Sie sicher viele Fragen.

Wer gibt Kreditkarten überhaupt aus? Welches sind die Antragsvoraussetzungen? Wie steht es mit den Leistungen und den Kosten? Gibt es verschiedene Varianten? Wie funktioniert der Bezahlvorgang und wer ist daran beteiligt?

Und schließlich: Wie steht es mit der Sicherheit?

Auf diese und andere Fragen geht dieser Beitrag ein.

Wer gibt Kreditkarten aus?

Kartenausgeber sind immer die Kreditkartenunternehmen. In Deutschland kennen wir Visa, Mastercard, American Express oder, weniger genutzt, Diners.

Die Herausgeber schaffen das organisatorische Gerüst für den Bezahlvorgang. Sie verhandeln mit Banken außerdem die Konditionen und Entgelte für das Kreditkartengeschäft.

Bei der Vergabe von Kreditkarten haben Kunden mit den Kreditkartengesellschaften in der Regel aber nichts zu tun. Ausgegeben werden die Kreditkarten von den Partnerbanken der Gesellschaften.

Eine Ausnahme bildet die Kreditkartengesellschaft American Express, die das Kreditkartengeschäft unmittelbar mit dem Kunden abwickelt.

Welche Kreditkarten-Arten gibt es?

Das Wesen einer Kreditkarte ist es eigentlich, dass den Inhabern für einen bestimmten Zeitraum ein Kredit eingeräumt wird. 

Kartenherausgeber vertreiben jedoch daneben noch andere Produkte, die auf Guthabenbasis arbeiten.

Charge Card

Dem Karteninhaber wird ein kurzfristiger Kreditrahmen für einen Monat eingeräumt, über den er frei verfügen kann. Nach Monatsablauf wird der Saldo abgerechnet.

Nutzer erhalten eine Kreditkartenabrechnung über den ausstehenden Betrag. Dieser Betrag wird nach einer bestimmten Frist, meistens zu Beginn des neuen Abrechnungsmonats, per Lastschrift vom Girokonto bei der ausgebenden Bank eingezogen.

Bei pünktlicher Zahlung fallen keine Zinsen an. Zinsansprüche entstehen nur, soweit der offene Saldo nicht vereinbarungsgemäß ausgeglichen wird.

Revolving Card

Revolvierende Kreditkarten funktionieren ähnlich wie Rahmenkredite. Kartennutzer erhalten einen Kreditrahmen. Insofern gibt es keinen Unterschied zur Charge Kreditkarte.

Ebenso wie bei der Charge Card erhalten Karteninhaber Abrechnungen im Monatsrhythmus.

Aber der in der Rechnung ausgewiesene Saldo muss im darauffolgenden Monat nicht vollständig ausgeglichen werden. Bezahlt werden muss lediglich ein vereinbarter Prozentsatz des offenen Saldos oder ein vereinbarter Festbetrag.

Der Karteninhaber kann beliebige Beträge aus dem Kreditrahmen nutzen, solange das Limit nicht erreicht ist.

Das klingt gut, aber es gibt einen Haken. Soweit ein Restsaldo offen bleibt, fallen hohe Zinsen an.

Beispiel:

Sie haben einen Kreditrahmen in Höhe von 10.000 Euro. Aus der letzten Abrechnung ergab sich ein Saldo in Höhe von 5000 Euro.

Rechtzeitig zum Fälligkeitstag zahlen Sie 3.000 Euro. Sie haben jetzt 8000 Euro zur Verfügung. Aber ab Fälligkeitstag müssen Sie Zinsen auf den offenen Betrag in Höhe von 2.000 Euro zahlen.

Drei Tage nach dem Zahlungstermin kaufen Sie mit der Kreditkarte für 200 Euro ein. Sobald dieser Betrag der Kreditkarte belastet wird, fallen darauf ebenfalls Zinsen an. Jetzt zahlen Sie Zinsen auf 2.200 Euro.

Mit jeder weiteren Belastung der Kreditkarte fallen sofort taggenau Zinsen auf den bestehenden Saldo an. Erst wenn Sie die Karte vollständig glatt gestellt haben, sind sie wieder „zinsfrei“.

Bei einer revolvierenden Kreditkarte können Sie also leicht den Überblick verlieren, wenn Sie nicht den gesamten fälligen Saldo fristgerecht bezahlen, sondern stattdessen nur Teilbeträge.

Prepaid Kreditkarte

Sowohl Visa als auch Mastercard geben solche Kartenprodukte aus. Der Name ist irreführend.

Eigentlich handelt es sich um Debitkarten, selbst wenn sie äußerlich wie Kreditkarten aufgemacht sind.

Genauso wie bei EC Karten, Girokarten oder Bankcards wird kein Kreditrahmen eingeräumt. Die Karte ist nur nutzbar, soweit Deckung vorhanden ist.

Prepaid Karten werden aber nicht über das Girokonto der Bank abgerechnet, sondern über ein gesondertes Kartenkonto.​

Die Karteninhaber müssen dieses Konto zunächst mit Guthaben ausstatten, bevor sie die Prepaid Kreditkarte nutzen können.

Voraussetzungen für die Ausgabe

Eine echte Kreditkarte erhalten Sie unter ähnlichen Voraussetzungen wie einen Kredit.

Antragsteller müssen volljährig sein und den Wohnsitz in Deutschland haben. Erforderlich ist zudem ein Konto bei einer Bank in Deutschland.

Bei Visa und Mastercard wird diese Voraussetzung nicht weiter geprüft, da in Deutschland die Karten dieser Herausgeber nur über Banken ausgegeben werden.

Entscheidende Voraussetzung ist eine ausreichende Bonität des Antragstellers. Das Ergebnis der Bonitätsprüfung ​ausschlaggebend dafür, ob eine Kreditkarte überhaupt vergeben wird und wie hoch der eingeräumte Kreditrahmen ist.

Geprüft wird einmal das Zahlungsverhalten des Antragstellers. Dies geschieht durch Einholung einer Auskunft bei Wirtschaftsauskunfteien.

Im Privatkundengeschäft wird meistens eine SCHUFA Auskunft eingeholt. Seltener werden weitere Wirtschaftsauskunfteien eingeschaltet.

Zum anderen wird die wirtschaftliche Kreditwürdigkeit unter Auswertung der regelmäßigen Zahlungseingänge auf dem Girokonto und der Angaben in den Antragsunterlagen geprüft.

Bei Prepaid Kreditkarten findet eine Bonitätsprüfung unter Einschaltung der SCHUFA oder anderer Wirtschaftsauskunfteien regelmäßig nicht statt.

Deswegen werden diese Kartenprodukte irreführend oftmals unter der Bezeichnung „Kreditkarte ohne SCHUFA“ vertrieben.

Eine Bonitätsprüfung bei Prepaidkarten ist überflüssig, weil ein Kreditrahmen überhaupt nicht eingeräumt wird. Denn es handelt sich um Karten, die nur auf Guthabenbasis genutzt werden können.

Zusatzleistungen bei Kreditkarten

Viele Kreditkarten beinhalten manchmal ganze Bündel von Nebenleistungen. Diese Kartenprodukte haben in der Regel klangvolle Namenszusätze wie „Gold“ oder „Platin“.

Geboten werden beispielsweise Rabatte auf Flugreisen, Hotels oder Mietwagen. Versicherungen, die bei Schadensfällen im Ausland einspringen, sind ebenfalls häufig. Beispiele sind Auslandskrankenversicherungen oder Ergänzungen zu Kfz Versicherungen.

Es kann Vergünstigungen beim Tanken geben oder Rabatte beim Einkauf im Internet oder in bestimmten Kaufhäusern.

Mit einer Kreditkarte verbundene Zusatzleistungen gibt es regelmäßig nicht kostenlos. Premiumkarten kosten den Nutzern meistens eine jährliche Gebühr. Sie können kostenfrei sein, wenn ein bestimmter jährlicher Mindestumsatz erreicht wird.

Gebührenpflichtige Premiumkarten mit Zusatzleistungen sind nur zu empfehlen, wenn ein tatsächlicher Bedarf dafür besteht.

Wer viel ins Ausland reist, für den kann sich beispielsweise eine Kreditkarte mit einer Reiserücktrittsversicherung und mit einer Versicherung gegen Schäden am Mietwagen lohnen.

Wer hingegen seinen Urlaub immer in Deutschland verbringt, der bezahlt mit einer solchen Premiumkarte Leistungen, die er niemals in Anspruch nehmen wird.

Einfache Kreditkarten ohne Zusatzleistungen sollten immer gebührenfrei sein.

Versteckte Gebühren und Kosten

Gebührenfrei bedeutet aber nicht unbedingt kostenlos.

Achten Sie zunächst darauf, für welchen Zeitraum keine allgemeine Gebühr erhoben wird. Manchmal sind nur ein oder zwei Jahre gebührenfrei. Danach werden Gebühren erhoben.

Andere Kreditkarten sind nur gebührenfrei ab einem bestimmten Mindestumsatz im vorangegangenen Jahr.

Mehr oder weniger versteckte Kosten gibt es bei fast allen Kreditkarten. Lassen Sie sich deshalb unbedingt das gültige Kostenverzeichnis aushändigen, bevor Sie sich für eine Kreditkarte entscheiden.

Banken und Kreditkartenherausgeber sind häufig zurückhaltend mit Informationen über Kosten. Ein Kostenverzeichnis muss oft extra angefordert werden. Oder man findet Informationen über die Kosten nur an einer versteckten Stelle auf der Webseite des Anbieters.

Manche Anbieter erheben beispielsweise für Geldabhebungen an Automaten Gebühren. Oder die Nutzung im Ausland ist mit Gebühren in Höhe von 1 bis 2 % verbunden.

Kosten können auch für Ersatzkarten, Zweitkarten oder die Anforderung einer neuen PIN entstehen.

Wie sicher sind Kreditkarten?

Kreditkartenbetrug ist leider keine Seltenheit.

Die Kreditkarte muss nicht gestohlen werden und wird es in der Regel auch nicht. Für einen Kartenmissbrauch reicht das Auslesen aller relevanten Karteninformationen.

Unterdessen soll es technische Vorrichtungen geben, die ein Auslesen der in einer Brieftasche befindlichen Kreditkarte praktisch im Vorbeigehen ermöglichen.

Es ist deshalb schwer, eine Kreditkarte zu nutzen und dennoch einem Missbrauch zu 100 % vorzubeugen.

Sie können sich aber auf einen Kartenmissbrauch vorbereiten. Informieren Sie sich darüber, wie ein Missbrauchsfall abgewickelt wird, bevor Sie einen Kreditkartenvertrag abschließen.

Schließen Sie einen Kreditkartenvertrag nur ab, wenn für den Fall des Missbrauchs vernünftige Stornierungsregelungen vorgesehen werden.

Schäden können durch eine regelmäßige Kontrolle des Kreditkartenkontos verhindert werden.

  • ​Überprüfen Sie einmal wöchentlich die Zahlungsvorgänge auf Ihrem Kartenkonto.
  • ​Achten Sie besonders auf kleine Beträge. Können Sie alle Zahlungen zuordnen?
  • ​Werden Sie sofort tätig, wenn Sie von ihnen nicht veranlasste Zahlungsvorgänge feststellen.
  • ​Rufen Sie den Sperr-Notruf für Kreditkarten (116 116) und/oder die Telefonnummer auf der Rückseite ihrer Kreditkarte an.
  • ​Lassen Sie die Karte sperren und erstatten Sie danach eine Strafanzeige bei der Polizei, um den Kartenmissbrauch gegenüber der Bank bzw. dem Kartenausgeber nachweisen zu können.
  • ​Bitten Sie die Bank, eine neue Kreditkarte auszustellen.
  • Bitten Sie um Stornierung des Buchungsvorgangs. Reklamieren Sie dazu die Abbuchung in der dafür vorgesehenen Form. Häufig werden Formulare zur Verfügung gestellt.

Eine Rückbuchung sollte kein Problem sein, wenn innerhalb von acht Wochen nach dem Vorfall reklamiert wird.

Gebühren für die Sperrung der Kreditkarte und für die Ausstellung einer Ersatzkarte dürften nicht erhoben werden. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung sind sie unzulässig, wenn die Kreditkarte gestohlen oder verloren wurde.

Sie können die Gefahr eines Kreditkartenbetruges einschränken, wenn Sie ein paar Regeln beachten:

  • Achten Sie bei Onlinekäufen darauf, dass der Händler oder Dienstleister ein gesichertes Bezahlsystem anbietet.
  • Überprüfen Sie Geldautomaten auf ungewöhnliche Vorrichtungen, die Ihnen fremd vorkommen.
  • Bewahren Sie PIN-Nummern und Kreditkarten niemals zusammen auf.
  • Speichern Sie Abrechnungen nicht auf dem Computer. Löschen Sie temporäre Dateien, nachdem Sie Kontoauszüge und Kreditabrechnungen online aufgerufen und ausgedruckt haben.
  • Geben Sie Kreditkartendaten nicht unnötig weiter. Versenden Sie die Daten niemals ungesichert per E-Mail.
  • Gehen Sie niemals über einen Link in einer E-Mail der Bank oder des Ausstellers direkt in Ihr Kreditkartenkonto.

Wie funktioniert der Bezahlvorgang?

Eine Kreditkartenzahlung ist ein relativ komplizierter Vorgang, der aber innerhalb von Sekunden abgewickelt wird.

Beteiligte am Bezahlvorgang sind der Karteninhaber, der Händler oder Dienstleister, die Bank des Händlers sowie Ihre Bank, die die Kreditkarte ausgestellt hat.

Außerdem ist das Kreditkartenunternehmen am Bezahlvorgang beteiligt. Die Kreditkartengesellschaft stellt die Einrichtungen und die organisatorischen Voraussetzungen für die Abwicklung des Bezahlvorgangs zur Verfügung.

Der Bezahlvorgang beginnt regelmäßig damit, dass die Daten auf der Kreditkarte mit einem Lesegerät ausgelesen werden.

Daraufhin prüft die Bank des Händlers oder Dienstleisters unter Einschaltung der Kreditkartengesellschaft Ihre Identität und ob Deckung für den angeforderten Betrag vorliegt.

Um die Zahlung zu autorisierten, benötigt die Kreditkartengesellschaft ihrerseits Informationen von Ihrer Bank, die die Karte ausgegeben hat.

Wer bezahlt Ausgeber und Kreditkartengesellschaften?

Keine Kreditkarte ist umsonst, selbst wenn sie gebührenfrei ist. Sowohl Banken als auch Kreditkartengesellschaften erwarten für die zur Verfügung gestellte Dienstleistung eine Gegenleistung.

Ein wesentlicher Anteil an den Erträgen erbringen Händler und Dienstleister, die Kreditkarten akzeptieren. Mit jedem Bezahlvorgang fällt eine Provision an.

American Express erhebt diese Provision unmittelbar von den Händlern. Die Provisionen sind relativ hoch, weswegen American Express häufig nicht akzeptiert wird.

Die anderen großen Kreditkartenunternehmen handeln mit den ausgebenden Banken Rahmenkonditionen aus. Innerhalb dieses Rahmens können die Banken die Höhe der Provisionen, die der Händler zu zahlen hat, selbst bestimmen.

Die Provision, mit der der Händler bzw. der Dienstleister bei jedem Geschäft belastet wird, ist relativ hoch. Sie beträgt zwischen 3 und 5 %.

Die Provision wird als eine Art Disagio erbracht. Sie wird von der Bank des Händlers oder des Dienstleisters direkt an die Karten ausgebende Bank gezahlt.

Neben einem Anteil aus den Provisionen erwirtschaftet die Bank Erträge über Gebühren. Viele Kreditkarten sind nach wie vor gebührenpflichtig. Die Gebühr wird in der Regel jährlich, manchmal auch monatlich erhoben.

Mit einem Kreditkartenvergleich können Sie sich einen Überblick verschaffen.

Zinserträge entstehen, wenn Kunden die vereinbarten Zahlungstermine überschreiten.